Geschichte
„In einer Familie hat der Mann das letzte Wort. Gewöhn dich besser schon vorher daran, auf ihn zu hören“ sagte Christian Baumann selbstsicher, während Anna ruhig den Verlobungsring ablegte

„In einer Familie hat der Mann das letzte Wort. Gewöhn dich besser schon vorher daran, auf ihn zu hören“ sagte Christian Baumann selbstsicher, während Anna ruhig den Verlobungsring ablegte

Dieses selbstsichere Patriarchat ist zutiefst empörend.

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„In einer Familie hat der Mann das letzte Wort. Gewöhn dich besser schon vorher daran, auf ihn zu hören“, erklärte Christian Baumann und lehnte sich zurück, als hätte er damit den endgültigen Punkt unter die Sache gesetzt.

Anna König antwortete nicht sofort. Sie saß ihm gegenüber in der Küche seiner Mietwohnung. Auf dem Tisch lagen ausgedruckte Sitzpläne, der Vertrag mit dem Restaurant und eine Liste mit Aufgaben, die in der letzten Woche vor der Hochzeit noch erledigt werden mussten. Durch das geöffnete Fenster drang ein warmer Juliabend herein: Im Hof lachten Jugendliche, irgendwo schlug eine Autotür zu, und aus dem Nachbarhaus trug jemand ein kleines Kinderfahrrad nach draußen.

Bis zur Trauung waren es noch sieben Tage.

Ein paar Sekunden lang betrachtete Anna ihn so aufmerksam, als sähe sie sein Gesicht zum ersten Mal ohne das gewohnte Lächeln, ohne höfliche Zwischentöne, ohne jene sorgfältig gepflegte Zuvorkommenheit, die er vor ihrer Mutter, vor ihren Freundinnen und vor den Mitarbeitern des Standesamts so überzeugend einsetzte. Er machte keinen Scherz. Er wollte auch nicht testen, wie sie reagieren würde. Und er versuchte nicht einmal, seine Worte nachträglich abzumildern.

Er hielt diesen Satz tatsächlich für völlig normal.

„Sag das noch einmal“, bat sie ruhig.

Christian verzog den Mund zu einem spöttischen Lächeln.

„Was genau?“

„Alles. Und mit demselben Gesichtsausdruck.“

Er runzelte die Stirn, wiederholte es aber:

„Der Mann ist in der Familie derjenige, der führt. Du solltest dich besser jetzt schon daran gewöhnen, zu gehorchen. Nach der Hochzeit wirst du dich sowieso umstellen müssen.“

Anna zog langsam den Verlobungsring von ihrem Finger. Nicht ruckartig, nicht theatralisch, sie warf ihn ihm auch nicht entgegen. Sie legte ihn sorgfältig auf den Rand des Restaurantvertrags, direkt neben die Klausel über die nicht rückzahlbare Anzahlung. Der schmale goldene Reif gab ein leises Klicken von sich, als er das Papier berührte.

Im ersten Moment begriff Christian gar nicht, was geschehen war. Dann richtete er sich abrupt auf.

„Was soll das jetzt?“

„Ich halte den Augenblick fest, in dem diese Hochzeit beendet wurde, bevor sie angefangen hat“, sagte Anna.

Er lachte kurz auf, doch das Lachen klang trocken und hart.

„Anna, mach kein Drama.“

„Ich mache kein Drama. Ich beende ein Projekt.“

Christian blinzelte. Er war es gewohnt, dass Anna in einem sachlichen Ton sprechen konnte, aber gewöhnlich ging es dann um ihre Arbeit, Unterlagen, Handwerker, Dienstleister oder organisatorische Alltagsfragen. Nun sah sie ihn an wie einen unzuverlässigen Auftragnehmer, der gerade selbst zugegeben hatte, Vertragsbedingungen verletzt zu haben.

„Was denn für ein Projekt?“, fragte er gereizt.

„Unsere Hochzeit. Sieben Monate Vorbereitung. Achtundzwanzig Gäste von meiner Seite, vierundzwanzig von deiner. Das Restaurant für Samstag, Moderator, Fotograf, Blumenschmuck, Fahrdienst für die Großmutter, Zimmer für die Gäste von außerhalb. Ab diesem Moment ist all das kein Fest mehr, sondern eine Aufgabe zur Schadensbegrenzung.“

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