Am Abend holte ich das Essen wieder aus dem Auto. Ich wärmte mir Suppe auf und legte drei Frikadellen auf einen Teller. Michael saß im Zimmer und schwieg. Ich aß allein. Zum ersten Mal seit acht Jahren gehörte mir dieser Samstag.
Die Frikadellen waren saftig. Die Suppe war genau richtig. Eigentlich hatte ich das schon immer gewusst. Aber an diesem Abend glaubte ich es mir zum ersten Mal wirklich.
Ein Monat ist vergangen. Hannah Lehmann ruft nicht an. Kein einziges Mal in vier Wochen. Michael fährt samstags allein zu ihr, kommt spät zurück und erzählt nichts. Karoline schrieb im Familienchat nur ein Wort: „Egoistin.“ Emma setzte ein Like darunter.
Ich koche weiterhin samstags. Für mich. Und für meinen Mann, wenn er zu Hause ist. Ohne Eile, ohne vierundzwanzig Frikadellen, ohne fünfzig Euro für einen einzigen Einkauf. Gestern habe ich eine Pilzsuppe aus drei Zutaten gemacht. Michael aß zwei Teller und sagte: „Schmeckt gut.“ Zum ersten Mal seit langer Zeit, ohne dabei nach seiner Mutter zu schielen.
Das karierte Heft liegt in der Kommodenschublade. Ich schreibe nichts mehr hinein.
Manchmal frage ich mich trotzdem, ob ich es anders hätte machen sollen. Mich hinsetzen. Reden. Es erklären. Die Speisen nicht vor aller Augen wegtragen. Den leeren Kühlschrank nicht vorführen.
Dann erinnere ich mich wieder: dreihundertvierundachtzig Samstage. Fünfzehntausend Euro. Und dieses „Schuhsohle“ vor Emma.
Bin ich damals zu weit gegangen? Oder sind acht Jahre lang genug, um endlich aufzuhören zu schweigen?