Geschichte
„Wie lange will deine Mutter eigentlich bei uns bleiben?“ Sabine fragte nervös, während Thomas das Gästezimmer herrichtete

„Wie lange will deine Mutter eigentlich bei uns bleiben?“ Sabine fragte nervös, während Thomas das Gästezimmer herrichtete

Diese kaltherzige Anwesenheit ist unerträglich und ungerecht.

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„Wie lange will deine Mutter eigentlich bei uns bleiben?“ Sabine drehte nervös eine Haarsträhne um den Finger und sah dabei zu, wie ihr Mann das Gästezimmer herrichtete — jenes Zimmer, das sonst ihrer dreijährigen Tochter Mia als Kinderzimmer diente.

Thomas zuckte mit den Schultern und strich das frisch bezogene Bett glatt.

„Mama meinte, sie wolle ein paar Tage bei uns sein. Sie hat uns vermisst. Ich denke, nach dem Wochenende fährt sie wieder zurück aufs Dorf. Sie hat dort ja ihr kleines Anwesen und kann nicht ewig wegbleiben.“

Sabine nickte nur. Innerlich zog sich jedoch alles in ihr zusammen. Das Verhältnis zu ihrer Schwiegermutter war seit Beginn ihrer Ehe mit Thomas angespannt. Antonia hatte es nie offen ausgesprochen, doch jede Geste, jeder Blick und jede Bemerkung ließen Sabine spüren, dass sie in den Augen dieser Frau nicht gut genug für ihren Sohn war.

„Bitte sag ihr nur vorher, dass sie meine Kosmetik im Bad nicht anrühren soll“, fügte Sabine hinzu, als ihr die früheren Besuche wieder einfielen. „Beim letzten Mal hat sie die halbe Gesichtscreme aufgebraucht und dann gesagt, sie habe nur einmal ausprobieren wollen, wofür ich das Geld ihres Sohnes verschwende.“

„Ach komm, Sabine“, winkte Thomas ab. „Dann hat sie eben etwas davon benutzt. Für sie ist es normal, Sachen miteinander zu teilen. Aber gut, ich rede mit ihr.“

Sabine ließ es dabei bewenden. In drei Ehejahren hatte sie längst gelernt, dass Thomas seine Mutter immer verteidigen würde — ganz gleich, wie verletzend oder unangenehm sie sich seiner Frau gegenüber verhielt.

Antonia erschien Punkt zwölf Uhr mittags. Thomas war zu diesem Zeitpunkt bereits zur Arbeit gegangen, sodass Sabine die Besucherin allein empfangen musste. Als es an der Tür klingelte, klang es für sie beinahe wie die Ankündigung eines Gewitters.

„Guten Tag, Sabine“, begrüßte ihre Schwiegermutter sie kühl und hielt ihr die Wange hin, als müsse ein förmlicher Kuss unbedingt erledigt werden. Ihr Gesicht war von einer dicken Schicht Make-up und Puder bedeckt.

Hinter Antonia standen zwei riesige Koffer und eine prall gefüllte Tasche mit Mitbringseln.

„Guten Tag, Antonia“, erwiderte Sabine mit einem gezwungenen Lächeln. „Kommen Sie herein. Ihr Zimmer ist vorbereitet.“

„Ja, ja, natürlich. Thomas hat mir gesagt, dass ihr mir vorübergehend das Kinderzimmer überlasst. Hoffentlich ist es dort nicht zu eng.“ Antonia ließ ihren prüfenden Blick über den Flur gleiten. „Und mein Sohn ist tatsächlich noch bei der Arbeit? Er konnte sich nicht einmal freinehmen, um seine eigene Mutter zu empfangen?“

Sabine half ihr, die Koffer in die Wohnung zu tragen.

„Thomas hat eine Besprechung, die er nicht absagen konnte. Er hat versprochen, früher nach Hause zu kommen.“

„Verstehe. Die Arbeit ist also wichtiger als die Mutter“, murmelte Antonia und ging ins Wohnzimmer, wo die kleine Mia gerade mit ihren Puppen spielte.

Als das Mädchen die fremde Frau sah, hielt es unsicher inne. Antonia schenkte ihrer Enkelin kaum einen Blick.

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