Jonas Huber machte einen Schritt ins Zimmer, dann ging er direkt vor dem Sofa in die Hocke. Einen Moment lang streckte er die Hand nach mir aus, als wollte er meine Finger berühren. Doch kurz davor hielt er inne. Stattdessen legte er nur die Fingerspitzen auf die Sofakante, als hätte er kein Recht, näherzukommen.
— Emilia… ich bin ein kompletter Idiot, sagte er heiser.
Seine Stimme brach. Er schluckte, und in seinen Augen sammelten sich Tränen.
— Ich habe die ganze Nacht kein Auge zugemacht. Sie sind erst gegen elf gegangen. Zurückgeblieben sind Berge von schmutzigem Geschirr, Essensreste, Müll überall. Meine Mutter hat mir beim Gehen noch erklärt, was für eine schlechte Ehefrau du angeblich bist, und Nicole Engel hat darüber gelacht. Und auf einmal… auf einmal wurde mir so übel vor mir selbst, Emilia.
Er zog die Nase hoch und wischte sich unbeholfen mit dem Handrücken über die Wange. Fast wie ein Kind, das nicht weiß, wohin mit seiner Scham.
— Dann stand ich allein in dieser Wohnung. Alles war still. Kein Weinen von Mia. Du warst nicht da. Nur dieses Chaos um mich herum. Ich wollte abwaschen, aber mir ist ständig etwas aus den Händen gerutscht. Diese fettige Pfanne… Nach einer Stunde tat mir schon der Rücken weh. Und dann habe ich daran gedacht, dass du das jeden Tag machst. Jeden verdammten Tag, Emilia. Und dabei hast du noch die Kleine auf dem Arm.
Ich sagte nichts. Trotzdem zog sich mir die Kehle zusammen, als hätte sich dort ein harter Knoten gebildet.
Jonas hob den Blick. In seinem Gesicht lag keine Verteidigung mehr, kein Trotz, kein Ärger. Nur Reue. Tief und ehrlich.
— Ich habe wirklich geglaubt, du sitzt zu Hause und ruhst dich aus. So hat meine Mutter es immer dargestellt. Nicole auch. Ich bin mit diesem Gedanken groß geworden, als wäre er selbstverständlich. Und gestern, als sie anfingen, über dich herzuziehen, und du einfach aufgestanden und gegangen bist… da habe ich begriffen, dass ich dich verliere. Dass ich dich selbst aus deinem eigenen Zuhause gedrängt habe, nur damit ich vor meiner Verwandtschaft wie ein „richtiger Mann“ dastehe. Was für ein richtiger Mann soll ich denn sein? Ich habe mich benommen wie der letzte Dreckskerl. Du hast mir gesagt, dass es dir schlecht geht, dass du nicht mehr kannst, und ich habe nur verlangt, dass du noch Kartoffeln kochst. Mein Gott, Emilia… wie blind kann ein Mensch sein?
Er vergrub das Gesicht in den Händen. Seine Schultern bebten.
Jonas weinte.
Ich hatte meinen Mann noch nie weinen sehen. Für mich war er immer der Starke gewesen, der Unnachgiebige, der Stolze. Und nun kauerte da vor mir ein verängstigter Mensch, der begriffen hatte, dass er beinahe das Wertvollste in seinem Leben zerstört hätte — nicht aus Bosheit, sondern aus Dummheit, Hochmut und Bequemlichkeit.
Mia regte sich in meinen Armen. Sie streckte ihr kleines Händchen nach ihm aus, zappelte ein wenig und machte ein helles, lustiges Geräusch.
— Agu.
Jonas hob den Kopf. Als er seine Tochter ansah, verzog sich sein Gesicht vor Schmerz und Zärtlichkeit zugleich.