Zwei Wochen später mietete er eine kleine Wohnung in der Nähe seiner Arbeit. Nicht bei seiner Mutter, nicht mit ihrem Geschirr, nicht unter ihren Regeln. Die erste gemeinsame Lebensmittelbestellung bezahlten wir von zwei Karten: die Hälfte von meiner, die Hälfte von seiner. Im Warenkorb lagen keine Vorräte für Lena Köhler, keine Kleinigkeiten für Nachbarinnen und nichts für die Freundinnen seiner Mutter. Wenn Lukas Elisabeth Winter etwas mitbringen wollte, kaufte er es separat und bezahlte es selbst.
Einen Monat lang kam Elisabeth Winter gar nicht vorbei. Dann stand sie eines Tages für eine Stunde in unserer Küche und brachte eine Tüte Äpfel mit. Sie sah sich um und fragte, wo denn die schönen Servietten seien. Lukas antwortete schneller als ich:
„Mama, wenn du schöne Servietten möchtest, kauf welche.“
Sie presste die Lippen zusammen, sagte aber nichts. Von da an wurden ihre Anrufe kürzer, und die Bitten, „noch etwas zur Bestellung dazuzulegen“, hörten auf. Auch Lena Köhler tauchte nicht mehr unangekündigt auf, weil man ihr nun direkt sagte, dass beim Abendessen niemand im Voraus mit ihr gerechnet hatte.
In der neuen Wohnung hatte jeder seinen eigenen Teller und seinen eigenen Anteil an den Ausgaben. Lukas war dadurch nicht plötzlich der perfekte Ehemann geworden, und ich erwartete auch keine märchenhafte Wandlung innerhalb von zwei Wochen. Aber er begann, die Banking-App zu öffnen, bevor er das Wort „Familie“ in den Mund nahm. Und Elisabeth Winter hatte das Wichtigste verloren: die Möglichkeit, über meine Karte zu verfügen, als wäre sie bloß eine weitere Schublade in ihrer Küche.