Geschichte
„Mama sagt, ab diesem Monat übernimmst du die Raten.“ — Isabella starrte fassungslos auf das Display, ihr Traum von der ersten eigenen Wohnung zerbrach

„Mama sagt, ab diesem Monat übernimmst du die Raten.“ — Isabella starrte fassungslos auf das Display, ihr Traum von der ersten eigenen Wohnung zerbrach

Diese schockierende Ungerechtigkeit zerstörte unsere sorgsam geplante Zukunft.

2 265 Leser 7 Seiten ~3 Min.

Die Nachricht traf mich völlig unvorbereitet und zerschnitt die Stille eines ganz gewöhnlichen Arbeitstags. Auf dem Display meines Handys erschien der Name meines Verlobten, Lukas Lange. Darunter stand jedoch keine zärtliche Zeile, kein liebevoller Gruß, sondern ein nüchternes Dokument, so trocken wie ein amtliches Schreiben. Ich, Isabella Schröder, starrte einige Sekunden lang auf Zahlenkolonnen und Daten, ohne sofort zu begreifen, was ich da vor mir hatte. Es war der Tilgungsplan für einen Autokredit. Den Kredit seiner Mutter.

Ganz unten stand ein kurzer Zusatz, knapp formuliert und gerade deshalb vernichtend: „Mama sagt, ab diesem Monat übernimmst du die Raten.“

Für einen Augenblick schien alles um mich herum stillzustehen. Ich las die Nachricht noch einmal, beinahe in der Hoffnung, es handle sich um einen geschmacklosen Scherz oder um ein Missverständnis. Doch da war nichts Zweideutiges. Alles war erschreckend eindeutig. Es fühlte sich an, als wäre der ganze Sauerstoff aus dem Zimmer gewichen. Lukas Lange und ich sparten zu dieser Zeit mit aller Konsequenz auf die erste Rate für eine eigene Wohnung. Wir rechneten jeden Euro durch, verzichteten auf vieles und hielten uns an der Vorstellung fest, bald endlich etwas Eigenes zu haben. Und nun sollte plötzlich die Verpflichtung für einen nagelneuen Geländewagen seiner Mutter, Sabine Winter, auf meinem Tisch landen.

Langsam legte ich das Telefon beiseite und versuchte, die aufsteigende Panik niederzudrücken. Draußen verdunkelte ein trüber Herbstabend die Straße, in den gegenüberliegenden Fenstern gingen nach und nach Lichter an. In mir aber war es leer und kalt. Mir kamen unsere Gespräche wieder in den Sinn: all die Pläne, die wir geschmiedet hatten, die Versprechen über eine gemeinsame Zukunft, über ein Leben, das wir zusammen aufbauen wollten. Mit einer einzigen Nachricht bekamen diese Pläne plötzlich tiefe Risse.

Als Lukas Lange an diesem Abend von der Arbeit nach Hause kam, wurde es einer der schwersten Abende, an die ich mich erinnern kann. Ich bemühte mich, mich normal zu verhalten, doch meine Nerven hielten nicht lange durch.

„Hallo, Liebling“, sagte er und küsste mich auf die Wange. Der Kuss wirkte seltsam förmlich, fast fremd. „Das Essen steht schon auf dem Tisch.“

„Danke, mein Schatz“, murmelte er abwesend und griff nach seinem Teller. „Warum bist du denn so still?“

Da konnte ich mich nicht länger beherrschen.

„Lukas, wir müssen ernsthaft reden. Über die Nachricht, die du mir heute Nachmittag geschickt hast. Über diesen Kredit.“

Er hielt mitten in der Bewegung inne, die Gabel noch in der Hand. Für einen kurzen Moment huschte ein ärgerlicher Schatten über sein Gesicht.

„Ach so, ja“, sagte er, als ginge es um irgendeine Kleinigkeit. „Mama hat mich nur gebeten, dir das weiterzuleiten. Nichts Dramatisches. Du richtest einfach einen Dauerauftrag ein, dann wird das Geld automatisch abgebucht. Die Daten habe ich dir ja geschickt.“

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