„Moment“, sagte ich und holte tief Luft. „Verstehe ich das richtig? Du erwartest von mir, deiner Verlobten, dass ich die Schulden deiner Mutter bezahle? Für ihr Auto? Wir haben doch unsere eigenen Ziele, unsere eigenen Träume. Wir sparen für die Hochzeit und für eine Wohnung.“

Lukas Lange legte die Gabel weg und sah mich mit einer Nachsicht an, die mich sofort verletzte. Als müsste er einem begriffsstutzigen Kind etwas Selbstverständliches erklären.

„Isabella, mach bitte kein Drama daraus. Mama hat es gerade nicht leicht. Am Ferienhaus stehen Reparaturen an, alles ist teurer geworden. Bei dir ist finanziell doch immer alles ordentlich geregelt, deine Prämien kommen regelmäßig. Für uns ist das kein riesiger Betrag, für sie aber eine echte Entlastung. So etwas nennt man Familie unterstützen.“

„Familie unterstützen?“, wiederholte ich und spürte, wie mir die Wut in die Kehle stieg. „Lukas, wir wohnen zur Miete. Wir verkneifen uns ständig Dinge, nur damit wir schneller das Eigenkapital zusammenbekommen. Meine Eltern helfen uns bei der Hochzeitsplanung, aber sie verlangen nicht von uns, dass wir ihre Rechnungen begleichen. Warum ist deine Mutter der Meinung, mein Gehalt sei ihr persönlicher Notfallfonds?“

„Sprich nicht so über meine Mutter!“, fuhr er mich an. Seine Stimme klang plötzlich scharf, hart und ungewohnt grob. „Sie hat uns großgezogen, sie darf auf unsere Unterstützung zählen. Außerdem ist das Auto doch auch für alle nützlich. Später kann man damit die Kinder zur Schule bringen oder ins Ferienhaus fahren.“

„Wir haben noch gar keine Kinder, aber die Schulden sind schon da. Und warum soll ausgerechnet ich zahlen und nicht du, ihr eigener Sohn?“

„Bei mir ist es im Moment finanziell eng, das weißt du doch“, sagte er und wandte den Blick ab. „Das Projekt in der Firma zieht sich hin, die Prämie wurde verschoben. Du dagegen hast ein stabiles Einkommen. Ist dir das Geld wirklich zu schade, wenn es um den wichtigsten Menschen in meinem Leben geht? Du gehörst doch bald offiziell zu unserer Familie.“

Ich sah ihn an und erkannte den Mann nicht wieder, in den ich mich verliebt hatte. Vor mir saß kein erwachsener, eigenständiger Partner, sondern jemand, der bereitwillig den Willen seiner Mutter ausführte und dafür ohne Zögern unsere gemeinsame Zukunft opfern wollte, nur damit sie es bequemer hatte.

„Weißt du, Lukas“, sagte ich leise, aber jedes Wort war klar. „Ich habe nichts dagegen, Angehörigen zu helfen. Aber Hilfe bedeutet, freiwillig das zu geben, was man geben kann. Nicht, dass einem finanzielle Verpflichtungen wie ein Ultimatum aufgezwungen werden.“

„Und ein Satz wie ‚Mama hat es so entschieden‘ ist für mich kein Argument.“

Lukas Lange schob den Stuhl so abrupt zurück, dass er über den Boden kratzte. Das Essen vor ihm hatte er nicht einmal angerührt.

„Du bist unfassbar egoistisch, Isabella“, stieß er hervor. „Ich dachte wirklich, wir würden zusammenhalten. Aber sobald es um das Wohl meiner Mutter geht, fängst du an, jeden Euro dreimal umzudrehen.“

Dann verschwand er im Nebenzimmer und knallte die Tür so laut zu, dass ich zusammenzuckte. Ich blieb allein am Tisch sitzen, während draußen der Regen gegen die Scheiben prasselte. Es tat weh, und gleichzeitig schmeckte alles bitter nach Enttäuschung. Doch tief in mir formte sich ein klarer Gedanke: Das hier war erst der Anfang. Wenn ich jetzt nachgab, würde es später nur noch schlimmer werden.