Am nächsten Tag bat ich Sabine Winter um ein Treffen. Ich wollte die Sache direkt klären, bevor aus einem Streit eine unumkehrbare Entscheidung wurde. Wir verabredeten uns in ihrem Lieblingscafé in der Innenstadt.

Meine zukünftige Schwiegermutter empfing mich mit einem strahlenden Lächeln. Sie sah tadellos aus: frisch geschnittene Haare, ein kostspieliger Hosenanzug, perfekt manikürte Hände. Nichts an ihr erinnerte an eine Frau, die angeblich in ernsten finanziellen Schwierigkeiten steckte.

„Isabella, mein Schatz, nimm dir unbedingt etwas Gutes“, trällerte sie, während sie die Speisekarte studierte. „Der Kaffee mit Sirup hier ist himmlisch. Und? Wie laufen eure Hochzeitsvorbereitungen? Ist schon alles organisiert?“

„Noch nicht ganz, Frau Winter“, antwortete ich und zwang mich, ruhig zu bleiben. „Wir rechnen gerade noch einmal alles durch. Es sind mehr ungeplante Ausgaben aufgetaucht, als wir erwartet hatten.“

„Ach, Geld ist doch Nebensache“, sagte sie und machte eine wegwerfende Handbewegung. Dabei blitzten ihre goldenen Armbänder im Licht der Deckenlampe. „Wichtig sind Liebe und gegenseitiges Verständnis. Apropos: Hat Lukas dir den Zahlungsplan gegeben? Ich habe alles ganz ordentlich aufgeschrieben, damit nichts in Verzug gerät. Die Banken verstehen da heutzutage keinen Spaß.“

Ich holte tief Luft.

„Frau Winter, genau darüber wollte ich mit Ihnen sprechen. Ich werde die Raten für Ihren Autokredit nicht übernehmen. Lukas und ich haben jeden Euro verplant. Wir möchten irgendwann eine eigene Wohnung kaufen und nicht für immer von einer Mietwohnung in die nächste ziehen.“

Ihr Lächeln verschwand langsam, als hätte jemand es von ihrem Gesicht gewischt. Zurück blieb ein kalter, ungläubiger Blick.

„Das verstehe ich jetzt nicht“, sagte sie gedehnt. „Was soll heißen, Sie werden das nicht übernehmen? Lukas hat erzählt, dass Sie vor Kurzem eine sehr gute Prämie bekommen haben. Außerdem verdienen Sie doch ohnehin mehr als er. In einer Familie legt man zusammen. Und eine Mutter steht nun einmal über allem.“

„Ein gemeinsames Budget gibt es zwischen Lukas und mir“, erwiderte ich fest. „Und darüber entscheiden wir gemeinsam. Das Auto war Ihre persönliche Anschaffung und Ihre Entscheidung. Sie haben uns nicht gefragt, bevor Sie den Vertrag unterschrieben haben. Warum sollte ich dann dafür bezahlen?“

„Wie kannst du es wagen!“ Sie fuhr so heftig auf, dass ihre Tasse beinahe umkippte. „Du gehörst noch nicht einmal richtig zu unserer Familie und willst hier schon bestimmen? Ich habe meinen Sohn allein großgezogen, ich habe meine Gesundheit für ihn geopfert! Und du geizt wegen einer lächerlichen Summe, wenn es um die Mutter deines zukünftigen Mannes geht?“

„Welche Summe genau?“ Ich starrte sie an. Lukas hatte die Höhe der Rate wohlweislich verschwiegen. „Frau Winter, das ist fast die Hälfte unserer Miete. Oder eine ordentliche monatliche Rücklage für den Wohnungskauf.“

„Na und? Dann wartet ihr eben mit der Eigentumswohnung.“ Sie zuckte mit den Schultern, als ginge es um einen Kinobesuch. „Bleibt noch eine Weile zur Miete. Oder zieht zu mir. Ich habe eine große Dreizimmerwohnung, da ist Platz für alle. Dafür hätte ich dann ein Auto und könnte euch Einkäufe bringen oder euch zum Wochenendhaus mitnehmen. Du bist wirklich undankbar, Isabella. Ich habe dich aufgenommen wie eine Tochter, und du…“