Maximilian wurde kreidebleich.

„Bist du völlig verrückt geworden?“

Da wählte ich bereits die 110.

Emilia sah ihn mit einem Blick an, den eine Frau einem Mann nur einmal im Leben zuwirft — in genau jenem Augenblick, in dem Liebe endgültig von Ekel verdrängt wird.

„Du hast gesagt, sie sei deine Ex“, sagte sie leise. „Du hast gesagt, die Wohnung gehöre dir. Du hast gesagt, unsere Verlobung sei ein Neuanfang.“

Er fuhr zu ihr herum.

„Halt wenigstens du den Mund!“

In diesem Moment zeigte sich sein wahres Gesicht.

Ohne Handtuch. Ohne Lächeln. Ohne die Geschichte von der angeblich schwierigen Phase.

Bloß.

Nervös.

Gierig.

Als die Streife kam, saß ich bereits in der Küche.

Ruhig. Fast erstarrt.

Vor mir lagen die blaue Mappe, mein Personalausweis, der Grundbuchauszug und die Tasse, aus der am Morgen eine andere Frau getrunken hatte.

Anfangs versuchte Maximilian, souverän zu wirken.

Dann verhedderte er sich in seinen eigenen Erklärungen.

Dann behauptete er, es handle sich doch bloß um „Entwürfe“.

Kurz darauf sagte er, er habe lediglich „alles vorbereiten“ wollen.

Und schließlich erklärte er, ich würde aus Eifersucht eine harmlose Sache künstlich aufbauschen.

Ich unterbrach ihn nicht.

Ich schrie nicht.

Der Polizist blätterte durch die Unterlagen, stellte sachliche Fragen und machte sich Notizen. Johanna war bereits auf dem Weg zu mir. Emilia schwieg lange, dann zeigte sie den Beamten den Nachrichtenverlauf, in dem Maximilian mit ihr über den Verkauf „seiner“ Wohnung geschrieben hatte, über ein neues Haus und sogar darüber, dass „die Ex“ sich vermutlich erst ein bisschen anstellen werde, am Ende aber ohnehin unterschreiben müsse.

Als Maximilian begriff, dass diesmal niemand bereit war, seine Version der Wahrheit zu übernehmen, bekam er zum ersten Mal wirklich Angst.

„Sophia, lass uns das nicht so machen“, sagte er nun deutlich leiser. „Ich hätte alles abgesagt.“

„Natürlich“, erwiderte ich. „Direkt nachdem das Geld auf deinem Konto gewesen wäre.“

Sie führten ihn nicht in Handschellen ab.

Nicht wie in einer Fernsehserie.

Man bat ihn lediglich, zur Klärung der Unterlagen und des Verdachts eines möglichen Betrugs mitzukommen.

Und ausgerechnet diese Nüchternheit traf mich härter als jede dramatische Szene es gekonnt hätte.

Dreizehn Jahre Ehe endeten nicht mit Geschrei, nicht mit einer Ohrfeige, nicht mit einer Tür, die krachend ins Schloss fiel.

Sie endeten mit dem Kratzen eines Kugelschreibers auf einem Polizeiformular und mit einem feuchten Handtuch, das achtlos über einer Stuhllehne hing.

Als sich die Wohnungstür hinter Maximilian Werner schloss, breitete sich eine Stille aus, die so dicht war, dass ich zum ersten Mal seit Langem meine eigenen Gedanken hörte.

Emilia Huber stand noch immer im Flur.

In meinem Bademantel.

Sie wusste nicht, wohin mit ihren Händen.

Und für einen kurzen Augenblick empfand ich Mitleid mit ihr.

Ein seltsames Gefühl.

Fast beleidigend.

Aber ehrlich.

„Ich ziehe mich gleich um und gehe“, sagte sie leise. „Es tut mir wirklich leid.“

Ich nickte nur, zu müde für große Worte.

„Im Bad liegt eine Tüte“, sagte ich schließlich. „Pack deine Sachen hinein. Und seine am besten gleich mit. Alles, was ihm gehört, kann er sich über einen Anwalt holen.“