Geschichte
„Wenn ich nur eines davon sauber abschließe, reicht es locker für einen neuen Wagen“ sagte Lukas selbstbewusst, Timo pfiff anerkennend und Daniel nickte beeindruckt

„Wenn ich nur eines davon sauber abschließe, reicht es locker für einen neuen Wagen“ sagte Lukas selbstbewusst, Timo pfiff anerkennend und Daniel nickte beeindruckt

Protzend und bewundernswert, doch innerlich leer.

2 670 Leser 7 Seiten ~3 Min.

Lukas Peters lehnte sich tief in das Sofa zurück, zog genüsslich an seiner Zigarette und blies den Rauch in Richtung des gekippten Fensters. Am Tisch saßen Timo Schäfer und Daniel Weiß, seine Freunde aus Studienzeiten, die er seit gut drei Monaten nicht mehr gesehen hatte. In der Mitte stand eine Flasche Cognac, daneben Teller mit Aufschnitt, Oliven und Käse. Alles war so angerichtet, wie es sich für einen ordentlichen Abend gehörte.

„Sagt mal, Männer“, begann Lukas und deutete mit einer lässigen Handbewegung zum Fenster hinaus, wo sein silberner Toyota Camry am Straßenrand parkte, „ich überlege, ob ich den nicht gegen etwas Spannenderes eintauschen soll. Einen BMW vielleicht. Oder Audi. Der Camry ist natürlich zuverlässig, keine Frage. Aber manchmal will man eben ein Auto mit mehr Charakter.“

Timo stieß einen anerkennenden Pfiff aus. „Du legst ja richtig los, Bruder. Da müsste man aber ordentlich Geld reinstecken.“

„Ach was“, winkte Lukas ab, als wäre das keine Rede wert. „Das kriegen wir schon verdient. Bei mir laufen gerade mehrere Projekte an. Wenn ich nur eines davon sauber abschließe, reicht es locker für einen neuen Wagen.“

Daniel ließ den Blick durch die Wohnung schweifen. Eine geräumige Dreizimmerwohnung in einem Neubau, hochwertig renoviert, mit Möbeln, die ganz sicher nicht aus dem billigsten Einrichtungshaus stammten. An der Wand hing ein riesiger Fernseher, und in der Ecke stand eine Kaffeemaschine, wie Daniel sie sonst nur aus Werbespots kannte.

„Du hast es echt zu etwas gebracht, Lukas“, sagte er ehrlich beeindruckt. „Ich weiß noch, wie wir nach der Uni von einer Mietbude in die nächste gezogen sind. Und jetzt sieh dich an: Wohnung, Auto, alles vom Feinsten.“

Lukas lächelte bescheiden, doch innerlich schwoll ihm die Brust vor Stolz. Genau solche Augenblicke mochte er. Momente, in denen er zeigen konnte, dass er Erfolg hatte. Dass all die Jahre, in denen er sich bemüht, Kontakte gesucht und Chancen gewittert hatte, nicht umsonst gewesen waren.

„Ich gebe mir Mühe, Jungs. Ihr wisst doch, wie die Zeiten sind: Wer nicht arbeitet, bleibt auf der Strecke. Man muss eben ranklotzen.“

Timo schenkte sich noch einen Cognac ein. „Und deine Sophie? Arbeitet sie auch?“

„Ja, klar. In irgendeiner Firma als Buchhalterin. Ihr gefällt das, also soll sie ruhig weitermachen. Eine Frau braucht schließlich auch ihre Selbstverwirklichung. Sonst sitzt sie nur zu Hause und rostet ein.“

Er sagte natürlich nicht dazu, dass Sophies Gehalt die Baufinanzierung, die Nebenkosten, den Einkauf und praktisch alles andere trug. Ebenso wenig erwähnte er, dass seine eigenen „Projekte“ vor allem in seinem Kopf existierten und ihm, wenn überhaupt, vielleicht zweihundert Euro im Monat einbrachten. Und dass der Camry gar nicht ihm gehörte, sondern Sophie Lange, die ihn noch vor der Hochzeit gekauft hatte, von Geld, das sie drei Jahre lang beiseitegelegt hatte. Wozu sollte man Freunde mit solchen Einzelheiten belasten?

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