Sie saßen bis in den Abend hinein zusammen. Lukas sprach von seinen Plänen, davon, wie er bald ein eigenes Geschäft aufziehen würde, wie viele Kontakte er habe und welche Möglichkeiten sich gerade auftäten. Timo und Daniel hörten zu, nickten und wirkten sichtlich beeindruckt. Als sie schließlich gingen, blieb bei Lukas eine angenehme Mischung aus Müdigkeit und Zufriedenheit zurück.

Er räumte den Tisch ab, wischte den Aschenbecher aus und riss die Fenster weit auf, weil Sophie den Geruch von Tabak nicht ausstehen konnte. Danach schaltete er den Fernseher ein und streckte sich wieder auf dem Sofa aus. Sophie musste ungefähr in einer Stunde nach Hause kommen.

Gegen acht Uhr abends stand sie in der Tür. Müde, mit schweren Einkaufstaschen in beiden Händen. Lukas nahm ihr die Tüten ab und trug sie in die Küche.

„Wie war dein Tag?“, fragte sie, während sie die Schuhe auszog.

„Ganz normal. Timo und Daniel waren kurz da.“

„Ach so“, sagte sie nur und nickte. „Verstehe.“

In ihrer Stimme lag kein offener Vorwurf, aber Wärme war ebenfalls nicht darin. Es klang lediglich wie eine nüchterne Feststellung. Lukas spürte, wie sich in ihm ein leichter Ärger regte.

„Was heißt denn hier ‚verstehe‘?“

„Nichts. Ich habe nur begriffen, warum von dem guten Käse nichts mehr im Kühlschrank ist.“

„Sophie, jetzt sei doch nicht so kleinlich. Freunde waren zu Besuch, da empfängt man sie anständig.“

Sie erwiderte nichts, sondern begann schweigend, die Einkäufe auszupacken. Lukas blieb noch einen Moment neben ihr stehen, dann ging er zurück ins Wohnzimmer. Diese stummen Vorwürfe von ihr machten ihn wahnsinnig. Er saß ja nicht aus Faulheit zu Hause herum. Er arbeitete, dachte nach, schmiedete Pläne. Die Ergebnisse waren nur noch nicht so, wie er sie sich vorstellte. Aber das würde sich ändern. Ganz bestimmt.

Die folgenden Wochen verliefen wie immer. Sophie Lange fuhr morgens um acht zur Arbeit und kam abends gegen acht zurück, manchmal noch später. Lukas stand meist erst gegen zehn auf, frühstückte in aller Ruhe und setzte sich anschließend für ein oder zwei Stunden an den Computer. Wobei man das nur mit viel gutem Willen Arbeit nennen konnte. Meist suchte er nach Aufträgen, las Artikel oder sah sich irgendwelche Lernvideos an.

Danach nahm er die Schlüssel des Camry und fuhr los, angeblich wegen wichtiger Erledigungen. Manchmal stimmte das sogar: ein Treffen mit einem möglichen Kunden, ein Termin in einem Coworking-Space. Viel häufiger aber fuhr er einfach ziellos durch die Stadt, trank irgendwo einen Kaffee oder beschloss, noch in einem Einkaufszentrum vorbeizuschauen.

Bei einem dieser Streifzüge durch ein Einkaufszentrum fiel ihm plötzlich eine junge Frau auf. Sie mochte Mitte zwanzig sein, trug langes dunkles Haar und hatte Augen, in denen ständig ein Lachen zu liegen schien. Sie stand hinter dem Tresen einer Parfümerie. Lukas Peters wollte eigentlich nur ein neues Eau de Cologne kaufen, doch kaum hatte er sie gesehen, blieb er wie angewurzelt stehen.

„Kann ich Ihnen bei der Auswahl helfen?“, fragte sie.