Ihr Lächeln traf ihn so unerwartet, dass er einen Moment brauchte, um zu antworten.
„Ja, sehr gern. Ich suche etwas Modernes. Etwas Stilvolles.“
Sie hieß Emilia Weiß. Mit einer Begeisterung, als ginge es nicht um Duftnoten, sondern um große Kunst, erklärte sie ihm die Unterschiede zwischen frischen, holzigen und würzigen Kompositionen. Am Ende verließ Lukas Peters den Laden mit einem Flakon für hundert Euro, obwohl er höchstens fünfzig hatte ausgeben wollen. Einige Tage später kam er wieder. Dann noch einmal. Und jedes Mal dauerte ihr Gespräch ein wenig länger.
Nach zwei Wochen fragte er sie, ob sie nach Feierabend mit ihm einen Kaffee trinken wolle. Emilia Weiß sagte zu.
„Du hast aber ein schönes Auto“, meinte sie, als sie in den Camry stieg. „Du bist bestimmt ziemlich erfolgreich.“
Lukas Peters lächelte bescheiden, als wäre ihm das Kompliment beinahe unangenehm.
„Ich gebe mir Mühe. Ich arbeite im IT-Bereich, du weißt ja, das ist im Moment eine Branche mit Zukunft.“
Dass diese „Arbeit im IT-Bereich“ im Wesentlichen daraus bestand, gelegentlich für Bekannte ein paar Texte auf Webseiten zu korrigieren und dafür kleine Beträge zu bekommen, erwähnte er nicht.
Von da an sahen sie sich immer häufiger. Lukas Peters fuhr mit Emilia Weiß durch die Stadt, lud sie in Cafés ein, brachte Blumen mit und kaufte ihr kleine Geschenke. Er genoss die Art, wie sie ihn ansah: neugierig, bewundernd, voller Erwartung. In ihrer Nähe kam er sich bedeutend vor, stark, gefragt, erfolgreich. Ganz anders als zu Hause, wo Sophie Lange ihn in letzter Zeit meist nur noch müde und mit einer stillen Distanz betrachtete.
Sophie Lange wusste längst Bescheid. Nicht, weil er besonders unvorsichtig gewesen wäre, sondern weil Geld Spuren hinterließ. Sie sah die Abbuchungen: Cafés, in denen sie nie gewesen war, Geschäfte, in denen sie nichts gekauft hatte, Tankstellen in Stadtteilen, in die sie nicht fuhr. Abends öffnete sie die Banking-App und starrte auf die Beträge: fünf Euro hier, zehn Euro dort, hundert Euro in einer Parfümerie, fünfundzwanzig Euro für Blumen.
Zuerst tat es weh. Dann kam eine dumpfe Betäubung. Und danach stellte sich eine kalte, klare Nüchternheit ein.
Sie hätte sofort schreien, ihm Vorwürfe machen, einen Streit vom Zaun brechen können. Doch irgendetwas hielt sie zurück. Vielleicht war es ein Instinkt, sich selbst zu schützen, denn sie wollte ihr Leben nicht in einem Anfall von Wut zertrümmern. Vielleicht wollte sie auch einfach alles sauber und ohne Hast vorbereiten. Oder sie wartete nur auf den richtigen Augenblick.
Lukas Peters bemerkte nichts. Er war viel zu sehr in seine neue Rolle verliebt: ein erfolgreicher Mann, bewundert und begehrt. Nach Hause kam er spät. Er erzählte von Treffen mit Geschäftspartnern, von Projekten, von wichtigen Gesprächen. Sophie Lange nickte nur und schwieg.
Währenddessen begann sie, sich vorzubereiten. Sie rechnete Möglichkeiten durch, suchte Unterlagen zusammen und dachte zum ersten Mal seit Langem nicht mehr an ihn, sondern an ihre eigene Zukunft. Die Wohnung gehörte ihr; sie hatte sie von ihrer Großmutter geerbt. Auch das Auto lief auf ihren Namen. Rechnungen, Einkäufe, laufende Kosten — alles zahlte sie. In drei Jahren Zusammenleben hatte Lukas Peters zum Familienbudget praktisch nichts beigetragen, außer Versprechen, Plänen und großen Worten.