»Du rechnest immer alles auf«, zischte sie gereizt. »Genau deshalb ist es mit dir so schwer.«

»Genau deshalb habe ich noch meine Wohnung, meine Unterlagen und mein Geld.«

Florian wählte eine Nummer und stellte den Lautsprecher an. Er wollte, dass ich hörte, wie ernst die Sache angeblich zusammenbrach.

»Ich komme später«, sagte er ins Telefon. »Die Zahlung verzögert sich. Nein, die Summe bleibt gleich, sechsundachtzigtausend. Eine Bürgschaft meiner Ehefrau wird es nicht geben.«

Nach einer kurzen Pause erklärte die Stimme am anderen Ende, ohne Zahlung und ohne Sicherheit werde der Termin gestrichen; über die alte Forderung müsse man gesondert sprechen. Florian beendete den Anruf und starrte einige Sekunden auf sein Handy. Dann wählte er erneut, diesmal ohne Lautsprecher. Trotzdem sprach er laut genug, damit ich den Inhalt verstand: Es gebe praktisch keine Vermögenswerte mehr, die Gewerbefläche sei belastet, das Auto laufe im Leasing, die Umsätze lägen bei null, und man werde wohl über einen Insolvenzantrag sprechen müssen.

Er drehte sich zu mir um, als warte er immer noch darauf, dass ich erschrak.

»Da. Zufrieden? Deinetwegen muss ich jetzt zu Anwälten wegen meiner Schulden.«

»Du musst wegen deiner Schulden dorthin. Ich habe nur aufgehört, sie mit meinem Erbe abzudecken.«

»Wir sind seit siebzehn Jahren zusammen.«

»Eben deshalb habe ich auf einen Vertrag gewartet. Nicht auf Geschrei, nicht auf Druck, nicht auf Beleidigungen, sondern auf ein normales Dokument.«

Er wandte sich ab. Johanna König setzte sich auf die Stuhlkante; ihre Stimme hatte längst nicht mehr die Lautstärke vom Vorabend. Ihre ganze Sicherheit hatte auf einer simplen Annahme beruht: Clara wird sich jetzt gekränkt fühlen, aber am Ende den Safe trotzdem öffnen. Als das nicht geschah, blieb ihr beinahe nichts mehr zu sagen.

Noch am selben Tag fuhr ich zu einem Anwalt. In meiner Tasche lagen Kopien des Ehevertrags, die Unterlagen zur Erbschaft, Kontoauszüge zu Florians Zahlungen und die Aufnahme unseres Gesprächs. Der Anwalt blätterte ruhig durch die Papiere und sagte schließlich, meine Position hinsichtlich meines persönlichen Vermögens sei stark: Ich sei weder Mitdarlehensnehmerin noch Bürgin, und eine Darlehensvereinbarung sei nicht unterschrieben worden.

Auch sei kein Geld in dieses Vorhaben geflossen. Zu Florians drohender Insolvenz formulierte er es ebenso nüchtern: Wenn Florian Winter seine geschäftlichen Angelegenheiten bis an den Rand eines Verfahrens gebracht habe, mache mich das noch lange nicht zu einer Notkasse für seine Rettung.

Gemeinsam setzten wir eine Mitteilung auf, dass ich jede weitere Finanzierung von Projekten Florian Winters ablehne. Zusätzlich entstand ein Schreiben zu den Bankzugängen, außerdem bereitete der Anwalt die Unterlagen für die Scheidung vor. Er riet mir ausdrücklich, zu Hause nichts mehr zu unterschreiben, kein Bargeld „zur schnellen Klärung“ auszuhändigen und jede weitere Kommunikation auf Schriftform umzustellen. Es war keine elegante Rache wie in einem Film. Es war trockene, sachliche Arbeit mit Dokumenten. Aber genau diese Nüchternheit wirkte stärker als jeder Streit.