»Gib mir den Code. Sofort. Danach reden wir darüber, was ich eben am Tisch gesagt habe.«

»Nein.«

»Clara, zwing mich nicht.«

Ich legte mein Telefon mit dem Display nach oben auf den Tisch. Die Aufnahme lief bereits.

»Ich zwinge niemanden. Ich halte dieses Gespräch über mein Geld in meiner Wohnung fest.«

Wenn du noch einmal in diesem Ton einen Schritt auf mich zumachst, wird jedes weitere Wort nur noch in Gegenwart von Zeugen fallen.

Florian bemerkte das leuchtende Display und blieb stehen. Johanna König änderte auf der Stelle ihre Miene, als wäre sie nicht noch vor wenigen Augenblicken diejenige gewesen, die verlangt hatte, ich solle den Safe öffnen.

»Clara, wozu denn diese Aufnahme?«, sagte sie plötzlich weich. »Wir gehören doch zusammen. Florian ist nur kurz die Beherrschung durchgegangen. Er ist dein Mann. Du weißt doch, Männer sagen manchmal Dinge, die sie gar nicht so meinen.«

»Er hat nichts Unbedachtes gesagt«, erwiderte ich. »Er war nur ehrlich.«

Florian fuhr sich mit der Hand über das Gesicht.

»Gut. Ich war zu scharf. Morgen früh machst du auf, und dann ist die Sache erledigt. Im Moment bist du einfach aufgewühlt.«

»Morgen früh sitze ich bei einem Anwalt.«

»Du willst wegen eines Streits beim Abendessen unsere Ehe kaputtmachen?«

»Ich will keine sechsundachtzigtausend Euro an jemanden herausgeben, der keine Unterlagen unterschreiben will und mein Erbe offenbar für seine private Notkasse hält.«

Er setzte an, doch die gewohnte Antwort blieb ihm im Hals stecken. Normalerweise reichte sein Satz »Wir sind doch eine Familie«, und ich begann mich zu rechtfertigen: warum mir unwohl war, warum ich Angst hatte, weshalb man erst nachdenken müsse. Diesmal erklärte ich nichts mehr. Alles, was vor diesem Gespräch nötig gewesen war, hatte ich bereits erledigt.

Die Nacht wurde unruhig. Florian lief durch die Wohnung, telefonierte, versprach jemandem, einen Termin zu verschieben, sprach von Verzögerungen und familiären Umständen. Johanna König versuchte mehrmals, in mein Zimmer zu kommen. Ich antwortete durch die geschlossene Tür, dass ich erst am Morgen reden würde, und auch dann nur über konkrete Dinge. Eine Weile stand sie noch im Flur, seufzte demonstrativ laut, damit ich es hörte, und ging schließlich zu ihrem Sohn.

Am nächsten Morgen trug Florian einen grauen Anzug und hielt seine Aktentasche so fest, als könne dieses Stück Leder mich allein schon dazu bringen, den Safe zu öffnen.

»Clara, ich habe keine Zeit für deine Trotzphase. Mach auf.«

»Nein.«

»Ich habe mich gestern entschuldigt.«

»Nein. Du hast vorgeschlagen, so zu tun, als wäre nichts gewesen.«

Johanna König kam fertig angezogen aus dem Gästezimmer, die Tasche über der Schulter. Offenbar hatte sie vor, mitzufahren und die Lage bis zuletzt unter Kontrolle zu behalten.

»Clara, beschäme die Familie nicht«, sagte sie streng. »Einem Mann hilft man aus einer schwierigen Situation heraus. Man tritt nicht noch nach.«

»Florian Winter ist dreiundfünfzig Jahre alt. Er hat seine Absprachen selbst getroffen, selbst Zahlungen zugesagt und selbst abgelehnt, mit mir eine Vereinbarung zu unterschreiben.«