Aus dem Esszimmer drang Johanna Königs Stimme zu mir herüber.

»Sie wird sich jetzt beleidigt zurückziehen und gleich wiederkommen. Wichtig ist nur, dass du nicht nachgibst. Frauen wie sie verstehen nur eine klare, harte Ansage.«

Ich öffnete den Tresor noch mit dem alten Code. Das Geld war unverändert an seinem Platz. Daneben lagen die Unterlagen, die ich nicht für einen Krieg, sondern für meine eigene Ruhe vorbereitet hatte: der Erbschein, der Ehevertrag, Kontoübersichten, Kopien der Zahlungen für Florians Büro und Nachrichtenverläufe, in denen er Bargeld verlangte, sich aber weigerte, irgendeine Verpflichtung zu unterschreiben.

Dann änderte ich den Code. Langsam, ohne Hast, Zahl für Zahl, und kontrollierte die Eingabe zweimal. Nach der Bestätigung gab der Tresor ein kurzes Signal von sich, auf dem kleinen Display erschien die Meldung, dass der Zugang geändert worden war. Anschließend öffnete ich die App meiner Bank und entzog Florian die Berechtigung, Auskünfte zu meinem Konto einzuholen. Rein formal konnte er ohne mich kein Geld abheben. Doch er hatte die Angewohnheit, beim Kundenberater anzurufen und in meinem Namen so selbstsicher aufzutreten, dass ich später mühsam klären musste, was seine Behauptungen gewesen waren und was tatsächlich von mir veranlasst worden war.

Dem Berater schrieb ich sofort: Sämtliche Vorgänge im Zusammenhang mit Florian Winter seien ausschließlich in meiner persönlichen Anwesenheit zu bestätigen; ich habe weder Vollmachten noch Bürgschaften erteilt; mündliche Bitten oder angebliche Absprachen seien als gegenstandslos zu behandeln. Direkt danach schickte ich meinem Anwalt eine Nachricht mit der Bitte, eine Mitteilung über die Einstellung der Finanzierung von Florians Projekt vorzubereiten und zugleich die Unterlagen für eine Scheidung zu prüfen.

Als ich ins Esszimmer zurückkam, stand Florian bereits am Fenster, das Handy in der Hand. Johanna König hatte sich auf meinen Platz gesetzt und redete leise auf ihn ein. Kaum sah sie mich, verstummte sie.

»Das Geld für dein Projekt bekommst du morgen nicht«, sagte ich.

Florian drehte sich langsam zu mir um.

»Meinst du das jetzt ernst?«

»Ja.«

»Clara, ich habe morgen früh einen Termin. Die Leute dort werden sich nicht für deine gekränkten Gefühle interessieren.«

»Dann dürfen sie sich eben deine Erklärungen anhören.«

»Das Geld liegt im Tresor.«

»Und ohne meine Entscheidung bleibt es ab jetzt auch dort.«

Er ging an mir vorbei ins Arbeitszimmer. Ich hielt ihn nicht auf. Wenige Sekunden später ertönte das Signal für einen falschen Code. Dann noch einmal. Nach dem dritten Versuch sperrte sich der Tresor für fünfzehn Minuten. Als Florian ins Esszimmer zurückkam, war von seiner früheren Sicherheit deutlich weniger übrig.

»Was hast du getan?«

»Den Code geändert.«

Johanna König sprang auf.

»Begreifst du überhaupt, was du da anrichtest? Mein Sohn lässt morgen Menschen hängen!«

»Er hat sich selbst hängen lassen, als er ein Geschäft auf Geld aufgebaut hat, das ihm nicht gehört.«

Florian trat näher an mich heran. Seine Stimme wurde leiser, doch gerade dadurch klang sie noch unangenehmer.