Geschichte
„Geh, Philipp Richter.“ sagte sie ruhig und ließ ihn fassungslos zurück

„Geh, Philipp Richter.“ sagte sie ruhig und ließ ihn fassungslos zurück

Diese herbe Entscheidung war mutig und längst überfällig.

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„Mach dich schon mal bereit, dich zu entschuldigen. In einer Woche stehst du von allein wieder vor der Tür“, sagte Philipp Richter und zog den Reißverschluss seiner Reisetasche zu.

Sophie Mayer stand im Flur neben der Wohnungstür und sah ihren Mann an. Diesmal lag in ihrem Blick nicht diese gewohnte, erschöpfte Bereitschaft, noch einmal alles zu erklären. Draußen verdichtete sich ein heißer Juliabend hinter den Fensterscheiben. In der Wohnung roch es nach warm gewordenem Holz, nach der frischen Minze im kleinen Topf auf der Küchenbank und nach Zitrone, mit der sie am Nachmittag die Arbeitsplatte abgewischt hatte.

„Du glaubst also wieder, ich bekomme Angst?“, fragte sie ruhig.

Philipp Richter verzog den Mund zu einem spöttischen Lächeln, warf sich die Tasche über die Schulter und nahm die Autoschlüssel von der Kommode.

„Du bekommst immer Angst. Am Anfang spielst du nur die Stolze.“

Sophie Mayer neigte den Kopf ein wenig, als betrachte sie nicht ihren Ehemann, sondern einen schlecht formulierten Vertrag, in dem die entscheidende Falle irgendwo im Kleingedruckten versteckt war.

„Diesmal hast du dich verrechnet.“

„Natürlich“, schnaubte er. „In zwei Tagen schreibst du mir. In drei Tagen rufst du an. Und in einer Woche erklärst du, dass du überreagiert hast. Ob ich dann überhaupt zurückkomme, überlege ich mir noch.“

Er wartete sichtbar auf eine Reaktion. Er wollte, dass sie auffuhr, sich verteidigte, diskutierte, ihn zurückhielt. Früher war genau das geschehen. Philipp Richter schlug die Tür hinter sich zu, Sophie Mayer schwieg zunächst, hielt es dann doch nicht aus und schickte eine vorsichtige Nachricht: „Lass uns reden.“ Danach kam ihr Mann mit dem Gesichtsausdruck eines Siegers zurück, und jedes Gespräch endete auf unerklärliche Weise damit, dass sie die Schuldige war.

Jetzt aber öffnete Sophie Mayer einfach die Tür.

„Geh, Philipp Richter.“

Für einen Moment blieb er stehen. Mit dieser Leichtigkeit hatte er nicht gerechnet. Dann rückte er gereizt den Riemen seiner Tasche zurecht.

„Vergiss nicht, wer diesen Streit angefangen hat.“

„Keine Sorge“, antwortete Sophie Mayer. „Ich werde jetzt überhaupt ziemlich viel nicht mehr vergessen.“

Philipp Richter trat ins Treppenhaus hinaus. Sophie Mayer wartete, bis der Aufzug sich nach unten in Bewegung gesetzt hatte, dann schloss sie die Tür. Nicht mit einem Knall. Sie lehnte auch nicht die Stirn dagegen. Sie griff nicht nach dem Telefon. Sie drehte nur den Schlüssel im Schloss um, nahm seine Ersatzjacke vom Haken und legte sie ordentlich in die Tüte zu den übrigen Sachen, die er nicht mitgenommen hatte.

Anschließend ging sie in die Küche, klappte den Laptop auf und rief den Kontoauszug auf.

Begonnen hatte alles am Morgen, als Sophie Mayer die gemeinsamen Rücklagen überprüfen wollte. Das Geld war für die Renovierung ihrer Wohnung bestimmt gewesen. Die Wohnung gehörte Sophie Mayer bereits vor der Ehe: Sie hatte sie lange vor der Begegnung mit Philipp Richter gekauft, damals, als sie als Verfahrenstechnikerin in einer Kosmetikproduktion arbeitete und zusätzlich Projekte übernahm. Nach der Hochzeit war ihr Mann zu ihr gezogen. Anfangs sagte er noch, er respektiere ihre Unabhängigkeit, erhebe keinerlei Anspruch auf die Wohnung und sei einfach glücklich, dass sie ihr gemeinsames Leben nicht mit einer Mietwohnung beginnen müssten.

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