Geschichte
„Das ist jetzt das Auto meiner lieben Mama!“ rief Daniel und lachte theatralisch, Laura blieb stumm und Thomas starrte ihn lange an

„Das ist jetzt das Auto meiner lieben Mama!“ rief Daniel und lachte theatralisch, Laura blieb stumm und Thomas starrte ihn lange an

Diese Familie wirkt kalt, verletzend und zerrissen.

419 Leser 18 Seiten ~3 Min.

Laura Becker stieg aus dem Taxi und blieb vor dem Eingang des Hauses ihrer Eltern für einen Moment wie angewurzelt stehen. In ihrer Handtasche lag ihr Handy mit schwarzem, erloschenem Display. Und in der Schublade des Nachttischs in ihrer gemieteten Wohnung lagen seit drei Wochen die Schlüssel des Hyundai i30 herum. Sie hatte sie nicht einmal berührt, seit jenem Abend, an dem Daniel Weber beide Schlüsselsätze an sich genommen und zu seiner Mutter gebracht hatte.

Die Wohnungstür öffnete ihr Vater, Thomas Becker. Er begrüßte sie knapp, fast trocken, und sah dann sofort an ihr vorbei ins leere Treppenhaus.

„Wo ist das Auto?“

Daniel, der hinter Laura die Stufen hinaufgekommen war und eine Tüte Orangen in der Hand hielt, trat rasch nach vorn. Mit seiner Schulter schob er sich halb vor seine Frau. Sein Lächeln war breit, beinahe ausgelassen, als sei er zu einer Feier erschienen.

„Das ist jetzt das Auto meiner lieben Mama!“, rief er und lachte, wobei er theatralisch die Arme ausbreitete, als hätte er gerade einen besonders gelungenen Scherz verkündet.

Laura blieb stumm. Sie hob nicht einmal den Blick.

Thomas Becker sah seinen Schwiegersohn an. Lange. So lange, dass das Lächeln in Daniels Gesicht langsam zu verrutschen begann. Dann trat Thomas beiseite und deutete mit einem kurzen Nicken in den Flur.

„Kommt rein.“

Daniel ging als Erster in die Küche. Er zog die Jacke aus, warf sie über die Stuhllehne und griff sofort nach der Salatschüssel, die bereits auf dem Tisch stand. Laura setzte sich ihm gegenüber, legte beide Hände auf ihre Knie und starrte auf die bestickte Tischdecke, als könne sie dort eine Antwort finden.

Ihre Mutter, Monika Becker, kam mit einem Topf Kartoffeln aus der Küche. Sie stellte ihn auf den Tisch und verschwand wieder, ohne Daniel zu begrüßen. Nicht einmal einen Blick schenkte sie ihrem Schwiegersohn.

Daniel füllte sich den Teller und redete dabei, ohne den Kopf zu heben.

„Gestern war ich mit Mama draußen am Schrebergarten. Wir haben ein neues Sofa hingebracht. Der Wagen ist wirklich klasse, richtig geräumig. Mama fährt, als hätte sie nie etwas anderes gemacht, das hätte ich ihr gar nicht zugetraut. Danach sind wir noch zum Großhandel gefahren und haben Ware abgeholt. Auf dem Rückweg war ein Reifen ein bisschen weich, aber sie ist selbst an die Luftstation gefahren. Sie hat mich nicht mal gefragt.“

Er sprach und kaute gleichzeitig. Monika stellte wortlos den Wasserkocher auf den Tisch, setzte sich ans Fenster und sah weder Daniel noch Laura an.

Thomas Becker stand auf, ging ins Wohnzimmer und kam mit einer Mappe zurück. Sie war dick, mit festem Einband. Er legte sie neben Daniels Teller auf den Tisch, schlug sie auf und drehte die Unterlagen so, dass Daniel sie lesen konnte.

„Schenkungsvertrag“, sagte er leise.

Daniel erstarrte. Der Löffel blieb auf halbem Weg zu seinem Mund in der Luft stehen. Aus seinem Gesicht wich langsam die Farbe.

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