Ein Murmeln ging durch die Umstehenden. Laura öffnete den Mund, doch Katrin berührte sie leicht am Ellenbogen und trat selbst einen Schritt vor.

„Frau Weber“, sagte sie klar und laut. „Ich bin die anwaltliche Vertreterin von Laura Becker. Was Sie hier gerade tun, kann strafrechtlich relevant sein. Öffentliche falsche Tatsachenbehauptungen, die geeignet sind, den Ruf eines Menschen zu schädigen, fallen unter üble Nachrede oder Verleumdung. Möchten Sie wirklich, dass wir auch das dokumentieren?“

Brigitte verschluckte sich beinahe an ihrer eigenen Empörung. Für einen kurzen Moment verstummte sie. Dann fing sie sich wieder.

„Kommen Sie mir nicht mit Ihren Paragraphen! Ich bin krank. Ich habe ein Herzleiden. Gleich muss der Rettungsdienst kommen, und dann werden Sie dafür verantwortlich sein. Sie, Laura, und Sie auch, Frau Anwältin. Ich werde alles aufschreiben lassen.“

„Tun Sie das“, entgegnete Katrin gelassen. „Ich zeichne Ihre Aussagen bereits auf. Alles, was Sie hier sagen, wird der Akte beigefügt. Außerdem gibt es genügend Zeugen. Die Nachbarn haben ja gut gehört, was Sie eben behauptet haben.“

Brigitte biss die Zähne zusammen und schwieg.

Thomas Becker, der bis dahin im Hauseingang gestanden hatte, trat nun langsam die Stufen hinunter. Er blieb vor der Bank stehen und sprach laut genug, dass es jeder verstand, ohne zu schreien.

„Frau Weber, ich fordere Sie auf, das Grundstück zu verlassen. Meine Frau wohnt hier. Meine Nachbarn wohnen hier. Wenn Sie in fünf Minuten noch hier sitzen, rufe ich die Polizei. Ich habe alle Unterlagen: zum Wagen und zu den Krediten, die Sie zusammen mit Ihrem Sohn auf den Namen meiner Tochter abgeschlossen haben. Wenn Sie weitermachen wollen, dann bitte. Aber dann nicht mehr als Schauspiel vor Publikum, sondern mit einer Anzeige obendrauf.“

In der kleinen Menge entstand Bewegung. Die älteren Frauen wechselten Blicke. Einer der Männer aus dem Nachbarhaus sagte laut:

„Moment mal. Die hat Kredite auf die Schwiegertochter laufen lassen? Na, das ist ja stark.“

„Drei Kredite“, erklärte Katrin sachlich. „Alle ohne Wissen von Frau Becker abgeschlossen. Das Geld wurde für Urlaub, Elektronik und einen Laptop verwendet. Die Ermittlungen laufen bereits.“

Nun veränderte sich das Murmeln der Nachbarn. Es klang nicht mehr neugierig, sondern abweisend. Die junge Mutter mit dem Kinderwagen drehte sich um und ging. Eine der Seniorinnen presste die Lippen zusammen und schüttelte den Kopf.

Brigitte begriff, dass sie ihr Publikum verlor.

Ruckartig griff sie nach ihrer Tasche, erhob sich von der Bank und zischte:

„Macht nur. Die Wahrheit ist auf meiner Seite. Ihr werdet noch sehen, mit wem ihr euch angelegt habt.“

Dann ging sie schnellen Schrittes davon, fast im Laufschritt. Nach kaum zehn Metern nahm sie die Sonnenbrille ab.

Thomas Becker sah ihr nach, bis sie den Hof verlassen hatte, und wandte sich dann an seine Tochter.

„Kommt rein. Deine Mutter ist völlig aufgelöst.“

Monika Becker wartete im Flur. Ihr Gesicht war blass, die Hände zitterten.

„Ist sie weg?“