In der Leitung raschelte es. Dann hörte Laura im Hintergrund eine Frauenstimme sagen: „Sag ihr, dass die Wohnung gepfändet wird.“ Gleich darauf erklang ein kurzes Kichern. Dieses Lachen hätte Laura unter Tausenden wiedererkannt.
Es war Brigitte Weber.
Dann brach die Verbindung ab. Nur das monotone Tuten blieb zurück. Laura saß noch lange mit dem Hörer in der Hand da. In ihren Ohren hallte dieses triumphierende Lachen nach.
Sie rief ihren Vater an. Thomas Becker stand eine Stunde später vor ihrer Tür. Ohne große Begrüßung ging er in die Küche, legte sein älteres Handy auf den Tisch und sagte:
„Erzähl mir alles. Von Anfang an. Jedes Wort.“
Laura berichtete von dem Anruf. Als sie an die Stelle kam, an der im Hintergrund Brigitte gelacht hatte, presste Thomas die Kiefer so fest aufeinander, dass seine Wangenknochen weiß hervortraten.
„Das heißt, sie haben auf deinen Namen einen Kredit aufgenommen. Ohne dein Wissen. Und jetzt wollen sie Geld von dir.“
„Papa, ich habe wirklich keinen Kredit abgeschlossen. Ich schwöre es dir.“
„Ich weiß, dass du das nicht getan hast.“ Seine Stimme blieb ruhig, aber in seinen Augen lag harte Entschlossenheit. „Darum gehen wir morgen früh zu Katrin. Zu der Anwältin.“
Er zog eine Visitenkarte aus der Innentasche seiner Jacke und legte sie vor Laura auf den Tisch. Auf dem weißen Karton standen in klaren schwarzen Buchstaben: „Katrin Vogel. Rechtsanwältin. Familienrecht. Zivilrechtliche Streitigkeiten.“
Laura sah von der Karte zu ihrem Vater.
„Du warst schon bei ihr?“
„Ja. Vor zwei Tagen. Als mir klar wurde, dass Daniel nicht einfach aufgeben wird. Sie hat gesagt, wir sollen alle Unterlagen zusammentragen, die du besitzt. Ausweis, Heiratsurkunde, Schenkungsvertrag für das Auto, Kontoauszüge. Alles, was bei dir zu Hause liegt.“
Laura nickte. Danach saßen sie zu zweit in der Küche, tranken Tee und schwiegen. Draußen wurde der Regen stärker und trommelte gegen die Fensterscheiben.
Am nächsten Morgen fuhren Laura und Thomas Becker zum Büro von Katrin Vogel. Es befand sich im zweiten Stock eines alten Backsteingebäudes. Im Flur roch es nach Papier, Aktenordnern und frisch aufgebrühtem Kaffee. Die Anwältin erwartete sie bereits an der Tür: eine große Frau um die vierzig, gekleidet in einen schlichten grauen Hosenanzug, mit kurz geschnittenem Haar und einem wachen, prüfenden Blick, dem kaum etwas zu entgehen schien.
„Kommen Sie herein, nehmen Sie Platz“, sagte sie und wies auf die Stühle vor ihrem Schreibtisch. „Herr Becker hat mir die Lage bereits grob geschildert. Das Auto wurde zurückgeholt, Ihr Mann ist ausgezogen, Ihre Schwiegermutter verbreitet in sozialen Netzwerken Verleumdungen über Sie. Und nun taucht zusätzlich ein Kredit auf, den Sie, Frau Becker, nicht abgeschlossen haben. Wir gehen das der Reihe nach durch. Wann genau hat dieser angebliche Forderungsdienst angerufen?“
Laura schilderte den Anruf ausführlich. Katrin Vogel machte sich Notizen in einem Block und hob nur gelegentlich den Blick, wenn sie eine Nachfrage hatte.
„Die Telefonnummer ist gespeichert?“