Es gab Suppe mit frischem Weißkohl. Dazu selbst gemachte Frikadellen. Das Fleisch drehte ich zweimal durch den Wolf, mischte eingeweichtes Brot und geriebene Zwiebel darunter. Gebraten wurden sie in der schweren gusseisernen Pfanne, die meine Mutter mir geschenkt hatte. Jede Frikadelle bekam fünf Minuten pro Seite. Vierundzwanzig Stück. Zwei Stunden stand ich allein dafür am Herd.

Der Salat war schlicht: Gurken, Tomaten, Radieschen, Kräuter und Öl. Einfach, aber aus frischem Marktgemüse.

Kurz vor zwölf war der Tisch fertig gedeckt. Fünf Teller, fünf Bestecke, Servietten. Das Brot lag geschnitten im Korb, die Butter in der Butterdose. Ich nahm die Schürze ab, wusch mir das Gesicht und zog eine saubere Strickjacke über.

Um Viertel nach zwölf kamen sie. Hannah Lehmann, Karoline Fuchs und Emma Krüger. Michael öffnete, küsste seine Mutter auf die Wange und umarmte seine Schwester. Ich stand im Flur und wartete.

„Oh“, sagte Karoline, hängte ihre Jacke auf und zog hörbar die Luft ein. „Hier riecht’s nach Frikadellen. Mama, du hast doch gesagt, sie kann nicht kochen?“

Hannah Lehmann antwortete nicht. Sie presste nur die Lippen zusammen. Genau diese Bewegung hatte ich inzwischen mehr als dreihundertmal gesehen.

Wir setzten uns. Ich füllte Suppe in die Teller, stellte die Frikadellen auf den Tisch und schob den Salat in die Mitte.

Hannah Lehmann kostete die Suppe. Dann legte sie den Löffel hin.

„Der Kohl ist zu fest.“

Der Kohl war lange genug gekocht. Ich hatte ihn geprüft.

Karoline schnitt eine Frikadelle an, kaute langsam und legte anschließend die Gabel beiseite.

„Ein bisschen trocken. Hast du überhaupt Brot in die Masse getan?“

Natürlich hatte ich Brot hineingegeben. In Milch eingeweicht. Wie immer.

Emma stocherte im Salat herum.

„Warum ist da kein Käse drin? Mit Käse schmeckt Salat doch viel besser.“

Es war ein Gemüsesalat. Mit Öl. Ohne Käse. Weil es ein Gemüsesalat war.

Michael aß schweigend. Den Kopf gesenkt, der Löffel wanderte vom Teller zum Mund und zurück. Er mischte sich nicht ein. Er mischte sich nie ein.

Hannah Lehmann sah Karoline an. Karoline sah Hannah Lehmann an. Dann sagte meine Schwiegermutter laut genug, dass es durch die ganze Küche schnitt:

„Siehst du, Karoline? Genau das habe ich dir erzählt. Vierundzwanzig Jahre verheiratet und sie bringt noch immer nichts Ordentliches zustande. Keine Suppe, keine Frikadellen. In ihrem Alter habe ich für dreißig Leute gedeckt, und alle wollten Nachschlag.“

Karoline nickte.

„Mama hat recht. Du kannst einfach nicht kochen. Sei mir nicht böse, aber das ist nun mal Tatsache.“

Tatsache. Vierundzwanzig Frikadellen. Zwei Stunden an der Pfanne. Vierundfünfzig Euro für den Einkauf, ich hatte den Kassenbon noch genau im Kopf. Dreihundertvierundachtzig Samstage. Und nun also: Tatsache.

Da spürte ich es.

Meine Finger hatten sich in die Tischkante gekrallt. Die Knöchel traten weiß hervor. Mein Herz begann nicht zu rasen. Nein. Für einen winzigen Moment schien es ganz auszusetzen, und danach schlug es ruhig weiter, langsam, beinahe gleichgültig.