Geschichte
„Mia, wozu brauchst du diesen Job eigentlich noch?“ — fragte Lukas fordernd, während Mia innerlich erstarrte

„Mia, wozu brauchst du diesen Job eigentlich noch?“ — fragte Lukas fordernd, während Mia innerlich erstarrte

Diese selbstgerechte Kälte ist zutiefst verletzend.

792 Leser 5 Seiten ~3 Min.

— Wo treibst du dich herum?! Ich habe dir doch gesagt, dass heute meine Gäste kommen! — brüllte ihr Mann ins Telefon. Doch Mia ließ seine Wut an sich abprallen. Ohne ein Wort legte sie auf und begann, ihre Sachen zusammenzusuchen.

Sie erinnerte sich noch sehr genau an jenen Tag, an dem Lukas mit einem breiten, fast jungenhaften Lächeln und einer Flasche Sekt nach Hause gekommen war. Vier Jahre lag das zurück. Damals hatten sie noch gemeinsam in der Küche gelacht, damals hatte er sie jeden Morgen vor der Arbeit geküsst, damals hatte sie noch geglaubt, sie seien ein Paar — und nicht Herr und Dienstmädchen.

— Mia, du glaubst nicht, was passiert ist! — hatte Lukas gerufen, sie im Wohnzimmer herumgewirbelt, während sie lachend den Kopf an seine Schulter lehnte. — Sie haben mich zum Abteilungsleiter gemacht! Verstehst du? Leiter! Festes Gehalt und zusätzlich Prozente vom Umsatz der Abteilung. Das ist dreimal so viel wie vorher!

Mia hatte sich aufrichtig für ihn gefreut. Lukas hatte lange auf diesen Schritt hingearbeitet: Er war bis spätabends im Büro geblieben, hatte gelernt, Seminare besucht, sich durchgebissen. Die Beförderung hatte er verdient. Damals sah es so aus, als könne ihr Leben von nun an nur besser werden.

In den ersten Monaten schien es tatsächlich so. Lukas strahlte vor Glück, überschüttete sie mit Geschenken und führte sie in Restaurants aus. Sie schmiedeten Pläne für einen Urlaub in Italien, sprachen über Kinder und über eine größere Wohnung. Auch Mia kam beruflich voran: In der Werbeagentur, in der sie arbeitete, wurden ihre Projekte immer wieder ausgezeichnet, und manche Kunden verlangten ausdrücklich nach ihr.

Doch nach und nach verschob sich etwas. Lukas blieb immer öfter länger in der Firma, fragte immer seltener nach ihrem Tag. Und ungefähr ein halbes Jahr nach seiner Beförderung sagte er plötzlich:

— Mia, wozu brauchst du diesen Job eigentlich noch? Überleg doch mal: Ich verdiene jetzt genug, ich kann die Familie versorgen. Du könntest dich um unser Zuhause kümmern, um dich selbst… Es ist mir peinlich, wenn Kollegen fragen, was meine Frau macht, und ich sagen muss, sie bastelt irgendwelche Werbung.

— Was heißt denn „bastelt irgendwelche Werbung“? — Mia wusste damals nicht einmal, ob er scherzte. — Lukas, ich bin leitende Spezialistin. Ich habe ein Team mit zwölf Leuten, meine Projekte…

— Und? — Er zuckte nur mit den Schultern. — Geld haben wir jetzt. Warum brauchst du diesen ganzen Druck, diesen Stress? Zu Hause könntest du Königin sein, statt irgendeine Kreative zu spielen.

Mia redete sich ein, er sei erschöpft und meine es nicht so. Doch Lukas brachte das Thema immer wieder auf. Er erklärte ihr, die Ehefrauen wirklich erfolgreicher Männer arbeiteten nicht, und ihre Karriere sei im Vergleich zu seiner Verantwortung bloß ein Kinderspiel.

— Ich ernähre diese Familie! — wiederholte er. — Und was machst du? Du spielst mit Bildchen und Sprüchen herum?

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