Monatelang hielt Mia dagegen. Aber Lukas wurde mit jeder Diskussion härter, fordernder, und zwischen ihnen breitete sich eine Kälte aus, die sie nicht mehr vertreiben konnte. Schließlich gab sie nach. Sie reichte ihre Kündigung ein, verabschiedete sich von ihrem Team und von den Projekten, die ihr beinahe wie eigene Kinder gewesen waren.
— Siehst du, so ist es doch viel besser — sagte Lukas, als sie ihn zum ersten Mal zu Hause mit einem fertigen Abendessen erwartete. — Jetzt bist du eine richtige Ehefrau.
Nur stellte sich dieser Titel bald als bitter heraus. Eine „richtige Ehefrau“ bedeutete für Lukas offenbar jemanden, der jederzeit verfügbar war. Er bat nicht mehr, er befahl. Und Dankbarkeit zeigte er längst nicht mehr.
Selbst das Abendessen nahm er als Selbstverständlichkeit hin. Wenn Kollegen oder Freunde vorbeikommen sollten, fragte er Mia nicht einmal mehr, ob sie überhaupt kochen wollte. Er stellte sie einfach vor vollendete Tatsachen.
— Morgen kommen Simon und Felix. Mach irgendetwas mit Fleisch. Und besorg eine gute Torte.
Mia nickte jedes Mal gehorsam, weil sie ihn liebte. Weil sie sich einredete, es sei nur eine Phase. Irgendwann würde er wieder der Mensch werden, den sie geheiratet hatte, und alles würde sich fügen.
Doch es entwickelte sich nicht zum Besseren. Im Gegenteil.
Eines Abends kam Lukas mit finsterer Miene nach Hause. Sein Gesicht wirkte grau, seine Hände zitterten. Er ließ sich auf das Sofa fallen und schwieg lange.
— Was ist passiert? — fragte Mia vorsichtig.
— Sie haben mich entlassen — sagte er leise. — Einfach rausgeworfen.
— Wie, entlassen? Weshalb denn?
— Angeblich habe ich Schmiergeld angenommen. Sie behaupten, ich hätte Kunden Rabatte zugeschanzt und dafür Provision kassiert. Völliger Unsinn! — Lukas schlug mit der Faust auf den Tisch. — Das war Christian! Dieses widerliche Schwein, dem ich damals bei der Beförderung zuvorgekommen bin. Er hat Lügen über mich verbreitet, und die haben nicht einmal richtig nachgeforscht. Sie haben mich einfach vor die Tür gesetzt!
Mia setzte sich neben ihn, legte die Arme um ihn und strich ihm über den Kopf. Sie versicherte ihm, dass alles gut werden würde, dass er mit seiner Erfahrung und seinen Kontakten bestimmt bald etwas Neues finden würde.
Aber die Monate vergingen, und es fand sich keine Stelle. Niemand wollte Lukas einstellen. Die Gerüchte über ihn machten in der Branche rasch die Runde, und sobald die Personalabteilungen seinen Namen auf dem Lebenslauf sahen, landete die Bewerbung offenbar direkt im Papierkorb.
Schließlich musste Mia wieder Arbeit suchen. Nach zwei Jahren Pause erwies sich das jedoch als beinahe aussichtslos. Am Ende bekam sie eine Stelle in einer kleinen Agentur — als Junior-Kreative, genau auf jener Ebene, auf der sie acht Jahre zuvor einmal begonnen hatte. Ihr Gehalt betrug nur noch ein Viertel von dem, was sie früher verdient hatte.
Lukas veränderte sich in dieser Zeit bis zur Unkenntlichkeit. Er begann zu trinken. Anfangs nur abends, später auch mitten am Tag. Wegen jeder Kleinigkeit schrie er Mia an. Er warf ihr vor, zu wenig Geld nach Hause zu bringen, schlecht zu kochen, die Wohnung nicht sauber zu halten.