Dann beendete sie das Gespräch, ohne ein Wort zu sagen.

Sie stand vom Computer auf, packte ihre Sachen zusammen und fuhr nach Hause.

Die Wohnungstür war nur angelehnt. Auf dem Balkon standen die Gäste und rauchten. Lukas lief im Wohnzimmer auf und ab, fuchtelte mit den Händen und erklärte seinen Freunden irgendetwas mit aufgebrachter Miene. Als er Mia sah, stürmte er sofort auf sie zu.

— Wo warst du?! Wir warten seit zwei Stunden! Daniel und Jakob sind da, und es gibt nichts zu essen!

Mia ging an ihm vorbei, ohne ihn anzusehen, direkt ins Schlafzimmer. Aus dem Schrank zog sie eine große Reisetasche und begann, seine Sachen hineinzulegen. Hemden, Jeans, Socken, Unterwäsche.

— Was soll das werden? — Lukas blieb in der Tür stehen und beobachtete jede ihrer Bewegungen.

Mia antwortete nicht. Ruhig und fast mechanisch packte sie weiter: seine Kleidung, seine Bücher, seine Rasierutensilien.

— Mia, was machst du da?! — fragte er nun lauter.

Sie schwieg noch immer. Als die Tasche voll war, zog sie den Reißverschluss zu, hob sie hoch und trug sie in den Flur. Lukas lief hinter ihr her, redete auf sie ein, doch seine Worte erreichten sie nicht mehr.

Sie öffnete die Wohnungstür und stellte die Tasche ins Treppenhaus. Danach kehrte sie zurück, um den nächsten Schwung zu holen.

— Mia, bist du wahnsinnig geworden?! — schrie Lukas. — Was fällt dir ein?!

Auf dem Balkon waren Daniel und Jakob verstummt. Verlegen und zugleich neugierig spähten sie ins Zimmer.

— Jungs — sagte Mia mit erstaunlich ruhiger Stimme —, es tut mir leid, aber der Abend ist vorbei. Geht bitte.

Daniel und Jakob griffen hastig nach ihren Jacken und schoben sich betreten zur Tür hinaus. Dabei murmelten sie etwas von „ungünstiger Moment“ und „wir melden uns später“.

Mia trug unterdessen weiter Lukas’ Dinge hinaus. Seine Schuhe. Seine Aktentasche. Den Lieblingsbecher mit dem Logo seiner früheren Firma.

— Mia! — Lukas packte sie am Arm. — Was ist los mit dir? Sag wenigstens etwas!

Sie riss sich los, ohne ihn anzusehen, und nahm die letzten Sachen. Da glitt ihr eine der Taschen aus der Hand und fiel zu Boden.

Kleidung quoll heraus und verteilte sich über die Stufen, sein Laptop rutschte gefährlich nahe an die Treppenkante. Lukas sprang sofort hinzu, raffte alles hektisch zusammen und schrie dabei, sie sei völlig durchgedreht, das könne sie nicht machen, schließlich sei dies auch sein Zuhause.

Mia stand in der offenen Tür. Ihre Stimme war leise, aber fest.

— Morgen reiche ich die Scheidung ein.

— Was?!

— Gleich morgen früh gehe ich zu einem Anwalt. Ich werde die Ehe beenden.

— Mia, das kannst du doch nicht ernst meinen… Wir sind eine Familie! Ich liebe dich! Ich habe nur eine schwierige Phase…

— Diese schwierige Phase dauert seit zwei Jahren — erwiderte sie. — Und ich will nicht länger darin leben.

— Und wohin soll ich jetzt? Ich habe kein Geld, keine Arbeit…

— Das ist nicht mehr mein Problem.

— Mia, bitte! Wir können über alles reden. Ich ändere mich, ich finde einen Job, ich bringe alles wieder in Ordnung…

— Leb wohl, Lukas.