Er verstand es, jeden Tag wie ein kleines Fest wirken zu lassen. Nach langen Projektnächten wartete er mit heißem Kaffee auf mich, führte mich durch alte Gassen und konnte zuhören, als gäbe es nichts Wichtigeres. Ich glaubte, endlich einen Menschen gefunden zu haben, mit dem man gemeinsame Pläne für viele Jahre schmieden konnte. Ein Jahr später heirateten wir.
Als dann der Wunsch nach einer größeren Wohnung aufkam, stellte sich heraus, dass Leon Baumann kaum Rücklagen besaß. Er wohnte zur Miete, legte Wert auf teure Kleidung und wechselte auffallend oft seine Autos. Schließlich fanden wir eine helle, großzügige Wohnung.
Sie hatte jedoch ihren Preis. Für die Anzahlung wurde eine Summe verlangt, die Leon Baumann sich nicht einmal in Gedanken hätte zusammensparen können. Ich dagegen hatte Rücklagen; außerdem verkaufte ich das kleine Wochenendhaus meiner Eltern.
Damals sagte Leon mit fester Stimme:
„Emilia, ich gebe alles dazu, was ich auf der Seite habe. Den Rest legst du drauf. Aber eintragen lassen wir die Wohnung auf mich. Bei der Bank wirke ich solider, das geht schneller durch.“
In diesem Moment spürte ich zum ersten Mal ein unangenehmes Stechen.
„Nein, Leon“, erwiderte ich ruhig, aber ohne nachzugeben. „Der größte Teil kommt von mir. Entweder wir gehen zu einem Anwalt und setzen einen klaren Ehevertrag auf, in dem die Anteile festgehalten werden, oder wir kaufen gar nichts.“
Sein Gesicht veränderte sich sofort. Er spielte den tief Gekränkten.
„Du vertraust mir also nicht? Wir sind doch eine Familie.“
Doch ich blieb hart. Der Anwalt formulierte alles unmissverständlich: Die Wohnung wurde zwar während der Ehe erworben, doch der überwiegende Teil der Mittel stammte von mir. Im Fall einer Trennung sollte die Immobilie bei mir bleiben; ich wäre lediglich verpflichtet, Leon seinen kleinen Anteil auszuzahlen. Leon setzte seine Unterschrift darunter, sprach danach aber den ganzen Abend kein Wort mit mir.
Das erste Jahr verlief äußerlich ruhig. Ich arbeitete viel, nahm zusätzliche Aufträge an und versuchte, die Finanzen stabil zu halten. Leon ging ebenfalls ins Büro, begann jedoch immer öfter über seine Vorgesetzten zu klagen. Dazu kamen angebliche Besprechungen, die sich in die Länge zogen und am Ende nie etwas einbrachten.
Nach und nach tauchte auch Nicole Roth immer häufiger bei uns auf. Sie war eine Frau mit einem Charakter wie gegossener Beton: hart, unbeweglich und daran gewöhnt, anderen Anweisungen zu erteilen.
„Emilia, warum hängen Leons Hemden eigentlich nicht nach Farben sortiert im Schrank?“, fragte sie eines Tages, während sie ungefragt die Schranktüren öffnete. „Und die Suppe heute ist auch ziemlich dünn. Leon braucht etwas Kräftiges, sein Magen ist doch schon immer empfindlich gewesen.“
Ich schluckte solche Bemerkungen hinunter. Leon saß daneben, starrte in seinen Teller und nickte seiner Mutter zustimmend zu.
Dann begann sich die finanzielle Lage zu verschieben. Ganz leise, fast unmerklich, Schritt für Schritt. Zuerst kaufte Leon keine Lebensmittel mehr ein.