„Da gibt es im Moment nichts zu sehen.“
„Du wolltest morgen meine Bescheinigung verlangen. Also gibt es sehr wohl etwas zu sehen.“
„Ich wollte erst herausfinden, welche Summe wir überhaupt bewilligt bekommen.“
„Ohne mein Einverständnis?“
„Bei einer Beratung unterschreibt man nichts. Du wärst mitgekommen, hättest dir angehört, was der Berater sagt, und danach selbst entschieden.“
„Lina Huber hast du erzählt, dass ich keine Fragen stellen werde.“
Mit einem Ruck schob Anton seinen Stuhl zurück.
„Weil du mir normalerweise vertraust. Ich sehe darin kein Verbrechen.“
„Hol den Laptop.“
„Wozu?“
„Ich möchte sehen, wo genau du mein Einkommen eintragen wolltest.“
Er verließ die Küche und kam nach ein paar Minuten zurück. Den Laptop stellte er näher zu sich als zu ihr. Nach dem Hochfahren suchte er lange angeblich nach der richtigen E-Mail, obwohl Franziska die geöffnete Registerkarte bereits oben am Bildschirmrand sah.
„Hier ist die Berechnung“, sagte Anton. „Nichts weiter als eine normale Beratung.“
Auf der Bankseite war ein Entwurf für eine Selbstauskunft ausgefüllt. Anton hatte sich selbst als Hauptdarlehensnehmer eingetragen; im Abschnitt zum Familienstand standen Franziskas Daten. Die Felder für ihre Ausweisnummer und ihren Arbeitgeber waren noch leer. Daneben hatte der Bankberater vermerkt: „Zum Termin Unterlagen der Ehefrau mitbringen. Prüfung als Mitdarlehensnehmerin.“
„Du hast ihnen also schon gesagt, wo ich arbeite“, sagte Franziska.
„Das sind doch nur allgemeine Angaben.“
„Und deine neue Position hast du ebenfalls schon vorweggenommen.“
„Ich bin davon ausgegangen, dass du befördert wirst.“
Franziska ließ den Blick zu der Liste der zuletzt geöffneten Dateien wandern. Ganz unten stand: „Reservierung, Uferstraße, Wohnung 116, Lina Huber.“
„Mach diese Datei auf.“
Anton schloss den Explorer so hastig, als hätte er sich die Finger daran verbrannt.
„Das ist nur Linas Vertrag mit dem Bauträger.“
„Öffne sie.“
„Du wirst damit ohnehin nichts anfangen können.“
„Dann erklärst du es mir eben.“
Er klappte den Laptop zu und legte die Hand flach auf den Deckel.
„Jetzt reicht es. Ich bringe dir die Unterlagen, und du suchst mit Gewalt einen Anlass für Streit.“
An seinem Ringfinger fehlte der Ehering. Auf der Haut blieb ein heller Abdruck zurück; er musste ihn erst vor Kurzem abgenommen haben.
Franziska sah auf seine Hände.
„Wo ist dein Ring?“
Anton zog die linke Hand unter den Tisch.
„Im Schlafzimmer. Er hat beim Arbeiten gestört.“
„Beim Arbeiten am Laptop?“
„Was spielt das für eine Rolle?“
In seiner Hosentasche vibrierte kurz das Handy. Anton holte es heraus, überflog die Nachricht und schaltete den Bildschirm sofort wieder dunkel.
„Zeig her“, sagte Franziska.
„Das ist ein Kunde.“
„Lina?“
„Fang nicht damit an.“
Franziska griff nicht nach seinem Telefon, sondern nach ihrem eigenen. Sie suchte die Nachricht heraus, die Anton ihr am Morgen geschickt hatte. Darin stand die Nummer des Bankberaters, darunter: „Speicher sie ab, morgen wirst du sie brauchen.“
Sie tippte auf Anrufen.
„Wen rufst du an?“, fragte Anton scharf.