„Hast du Kuchen gekauft?“
Franziska klappte den Deckel auf. Die Honigtorte war mit feinen Nusskrümeln bestreut und von einem schmalen Streifen Schokolade verziert.
„Ich wollte etwas feiern.“
„Was denn?“
Sie nahm die Anordnung aus ihrer Tasche und legte sie vor ihn hin.
Anton überflog die erste Zeile. Zuerst blieb sein Blick an der neuen Bezeichnung ihrer Stelle hängen, dann glitt er zum Datum hinunter. Erst danach lächelte er.
„Das ist großartig, Franzi. Ich wusste, dass sie dich nehmen. Jetzt kommt endlich einiges in Bewegung.“
„Was genau kommt in Bewegung?“
„Unsere Angelegenheiten.“
„Welche Angelegenheiten?“
Er schob das Schreiben ein Stück zur Seite und setzte sich ihr gegenüber.
„Zum Beispiel die Wohnung. Darüber reden wir doch schon ewig.“
„Tun wir das?“
„Verdreh mir nicht jedes Wort. Ich wollte erst alles abklären und dir dann eine fertige Möglichkeit zeigen.“
Franziska schob ihm das Bankblatt hin.
„Ein Apartment für 42.000 Euro?“
Anton senkte den Blick auf seine eigenen Notizen.
„Hast du in meinen Unterlagen gewühlt?“
„Das Blatt lag offen auf dem Tisch.“
„Das ist nur eine grobe Vorberechnung. Ich habe mir mehrere Angebote angesehen.“
„Für wen hast du dieses Apartment gesucht?“
„Für uns.“
„Am Telefon hast du es Lina Huber versprochen.“
Einige Sekunden sagte er gar nichts. Dann stützte er die Ellbogen auf den Tisch.
„Du hast einen Ausschnitt gehört und dir daraus gleich die ganze Geschichte gebaut.“
„Ich habe gehört, wie es um meine Bescheinigung ging, um die Anzahlung und um die Reservierung. Und ich habe gehört, dass du gesagt hast, du liebst mich nicht.“
„Das habe ich nur gesagt, damit sie sich beruhigt.“
„Wer ist sie?“
„Eine Mitarbeiterin vom Bauträger.“
„Mitarbeiterinnen von Bauträgern fragen dich, ob du deine Frau liebst?“
Anton wich mit den Augen zum Fenster aus.
„Wir kennen uns schon länger. Sie hilft nur, damit die Sache schneller über die Bühne geht.“
„Deshalb nennst du sie Lina?“
„Franziska, fang jetzt nicht mit einem Verhör an. Ich habe einen verdammt schwierigen Monat hinter mir, Aufträge gibt es kaum. Ich suche nach einer Lösung, während du jeden Morgen zur Arbeit gehst und glaubst, mit ein paar Bescheinigungen ließe sich alles regeln.“
Früher hätte Franziska sich nach solchen Sätzen sofort verteidigt. Sie hätte aufgezählt, wie viel Miete sie übernahm, was sie für Lebensmittel ausgab und weshalb sie keine zusätzliche Schicht mehr schaffen konnte. Diesmal schwieg sie.
Anton deutete ihr Schweigen offenbar als Zustimmung.
„Ich wollte eine eigene Wohnung kaufen“, fuhr er nun etwas ruhiger fort. „Ich bin dreiundvierzig, und mir gehört nicht einmal ein einziges Zimmer. Meine Mutter fragt jedes Mal, wie lange ich noch in einer fremden Wohnung leben will. Du überweist der Vermieterin das Geld, und ich komme mir vor wie ein Untermieter bei meiner eigenen Frau.“
„Und deshalb kaufst du ein Apartment mit Lina Huber?“
„Nicht mit Lina. Sie hat nur das Angebot gefunden.“
„Dann zeig mir die Unterlagen.“
„Was für Unterlagen denn noch?“
„Den Antrag bei der Bank. Und die Reservierung.“
Anton rieb sich mit der Hand über das Kinn.