Sie würde die Honigtorte auf den Tisch stellen, die Verfügung aus der Tasche ziehen und sagen:
„Ab heute wohnt bei uns eine Sachgebietsleiterin.“
Anton würde sich über ihren nun besonders strengen Ton lustig machen, Tee aufgießen und dann, wenigstens ein einziges Mal, sagen, dass er stolz auf sie sei. In den vergangenen Monaten hatte sie von ihm allerdings häufiger Fragen nach Geld gehört. Er wollte wissen, wie viel mehr sie nach der Ernennung verdienen würde und ob am Quartalsende eine Prämie zu erwarten sei.
Franziska führte seine Gereiztheit auf seine eigenen Rückschläge zurück. Aufträge für den Einbau von Fenstern kamen nur unregelmäßig herein, mehrere Kunden ließen mit der Bezahlung auf sich warten, und seine Mutter hatte wieder eine Renovierung angefangen. Anton war auf alles zugleich wütend und saß fast jeden Abend vor dem Laptop.
Der Schlüssel drehte sich leise im Schloss. Im Flur brannte Licht. Antons Jacke hing am Haken, seine Schuhe standen mitten im Durchgang.
Franziska zog die Stiefel aus und stellte die Tüte mit der Honigtorte auf die schmale Kommode. Aus dem Schlafzimmer drang Antons Stimme. Er telefonierte und hatte offenbar nicht bemerkt, dass sie heimgekommen war.
„Heute müsste sie die Verfügung unterschrieben bekommen haben“, sagte er. „Morgen bitte ich sie um eine Einkommensbescheinigung. Ich sage, sie sei für die Wohnung meiner Mutter.“
Franziska blieb neben dem Spiegel stehen.
„Ach, sie wird doch nicht jedes Wort überprüfen. Ich erkläre ihr, es gehe um eine Familienangelegenheit. Sie ist bequem, meine Frau.“
Anton schwieg, hörte zu und lachte dann leise.
„Nein, Lina. Ich liebe sie nicht. Es wäre nur dumm, jetzt alles kaputtzumachen. Erst holen wir die Zusage, zahlen an, und danach kümmere ich mich darum.“
Die Tüte rutschte von der Kommode. Franziska fing die Schachtel gerade noch auf und schob sie näher an die Wand.
Aus dem Schlafzimmer kam wieder seine Stimme:
„Morgen treffen wir uns in der Bank. Danach fahren wir zum Bauträger. Die Reservierung halten sie nicht bis abends frei.“
Franziska nahm die Torte und brachte sie in die Küche. Sie stellte die Schachtel auf den Tisch, setzte sich und ließ die Tasche von der Schulter gleiten.
Neben der Spüle standen zwei Tassen. Am Kühlschrank hing unter einem Magneten die Stromrechnung, die Anton schon gestern hatte bezahlen wollen. Am Rand des Tisches lag ein Prospekt der Bank.
Auf dem Formular waren inzwischen neben der markierten Zeile Zahlen aufgetaucht, in Antons Handschrift notiert.
Franziska zog das Blatt näher zu sich heran.
Der Preis für das Einzimmerapartment lag bei 42.000 Euro. Darunter hatte Anton den Eigenanteil und die monatliche Rate ausgerechnet. Neben der Zeile „nachgewiesenes Einkommen der Ehefrau“ war ein Häkchen gesetzt.
Aus dem Schlafzimmer kam das leise Scharren eines Stuhls. Kurz darauf stand Anton in der Küchentür. Sein Handy ließ er sofort in der Hosentasche verschwinden.
„Du bist schon da?“
„Wie du siehst.“
„Warum hast du nicht gerufen?“
„Dazu bin ich nicht gekommen.“
Sein Blick wanderte zu der Schachtel auf dem Tisch.