Franziska öffnete den Chat mit Sabine Lange.

„Den Mietvertrag verlängere ich für den nächsten Monat nicht. Bis zum Ende des bezahlten Zeitraums räumen wir die Wohnung. Die Schlüssel übergebe ich persönlich.“

Bevor sie die Nachricht abschickte, las sie sie noch einmal durch. Dann drückte sie auf den Pfeil.

„Was hast du geschrieben?“, fragte Anton.

Sie drehte ihm den Bildschirm zu.

Er las die Zeilen zweimal.

„Du kannst doch nicht allein die Wohnung kündigen.“

„Der Vertrag läuft auf mich.“

Anton setzte an: „Und ich?“

„Wohin soll ich denn?“

„Zu Lina. Ihr habt doch dieses Einzimmerapartment in der Uferstraße.“

„Red keinen Unsinn. Da ist noch nicht einmal richtig eingerichtet.“

„Dann zu deiner Mutter.“

Anton ließ sich wieder auf den Stuhl sinken.

„Franziska, komm erst einmal runter. Morgen früh reden wir in Ruhe. Du bist verletzt und wütend, und gerade triffst du Entscheidungen, die du später bereuen wirst.“

„Morgen früh gehe ich arbeiten.“

„Und danach?“

„Nach Feierabend hole ich den Rest meiner Sachen. Bis Monatsende findest du etwas.“

„Ich bin hier gemeldet.“

„Nein“, entgegnete sie ruhig. „Dein Hauptwohnsitz ist bei deiner Mutter.“

Eine Weile sagte er nichts. Dann deutete er mit dem Kinn auf das Schreiben in ihrer Handtasche.

„Kaum hast du eine neue Position, glaubst du, du könntest über alle bestimmen?“

Franziska schob das Dokument tiefer in die Tasche.

„Mit der Stelle hat das überhaupt nichts zu tun.“

„Natürlich nicht. Die bequeme Ehefrau will nur plötzlich zeigen, dass sie auch eine Meinung hat.“

„Wofür du diese Ehefrau gebraucht hast, hast du mir vorhin selbst erklärt.“

Anton presste die Lippen zusammen und wandte den Blick ab.

Franziska holte aus dem Schrank eine Reisetasche. Hinein legte sie ihren Ausweis, die Arbeitsmappe, zwei Kostüme, einen Pullover und das Ladegerät. Aus dem Bad nahm sie noch ihre Haarbürste und eine kleine Kosmetiktasche mit.

Anton folgte ihr von Zimmer zu Zimmer.

„Du willst wirklich mitten in der Nacht in ein Hotel fahren?“

„Ja.“

„Wegen eines einzigen Gesprächs?“

„Wegen des Antrags, der Reservierung, Lina und deiner ganzen Berechnung.“

„Du hast mich nicht einmal ausreden lassen.“

Franziska zog den Reißverschluss der Tasche zu.

„Du hast genug gesagt. Die Wohnung sollte auf sie laufen, der Kredit sollte mit meinem Einkommen leichter durchgehen, und mich wolltest du ohne jede Erklärung zur Bank mitnehmen.“

„Ich hätte es dir dort gesagt.“

„Nachdem der Berater die Unterlagen vor mich gelegt hätte?“

Darauf fand Anton keine Antwort.

Franziska ging in die Küche, um ihr Handy zu holen. Auf dem Tisch stand noch die ungeöffnete Schachtel mit der Honigtorte. Sie schob sie zu ihm hinüber.

„Nimm sie morgen mit zu deiner Mutter. Hier wird sie nur schlecht.“

„Sogar die Torte lässt du hier?“

„Ich hatte sie für einen anderen Abend gekauft.“

Im Flur zog Franziska ihren Mantel an und bestellte ein Taxi. Der Wagen sollte in vier Minuten da sein.

Anton blieb an der Küchentür stehen.

„Sag mir wenigstens, in welchem Hotel du übernachtest.“

„Nein.“

„Ich bin dein Mann.“

„Heute hat dich das auch nicht aufgehalten.“