Der Aufzug stand bereits im Erdgeschoss. Franziska trat hinein, stellte die Tasche neben ihre Füße und drückte auf den Knopf. Kurz bevor sich die Türen schlossen, kam Anton noch einen Schritt aus der Wohnung heraus.

„Franziska, lass uns morgen von vorn anfangen.“

Sie betätigte die Taste zum Schließen.

Draußen hing feiner Regen in der Luft. Das Taxi wartete am Nachbareingang. Der Fahrer stieg aus, öffnete den Kofferraum und half ihr, die Tasche zu verstauen.

Noch bevor der Wagen den Hof verlassen hatte, klingelte ihr Telefon. Franziska stellte den Ton aus. Eine Minute später erschien eine Nachricht ihrer Schwester: „Bist du noch wach?“

Franziska tippte zurück: „Kann ich heute bei dir unterkommen?“

Der Anruf kam sofort.

„Natürlich. Was ist passiert?“

„Ich erzähle es dir, wenn ich da bin.“

„Ich mache schon mal Wasser heiß. Soll ich dir im Zimmer das Bett richten oder lieber das Sofa in der Küche ausziehen?“

Franziska sah auf die Arbeitstasche neben sich.

„Im Zimmer, bitte. Ich muss morgen früh raus.“

Eine halbe Stunde später öffnete ihre Schwester im Hausmantel die Tür und nahm ihr wortlos den Mantel ab. Auf dem Tisch standen bereits zwei Tassen und ein Teller mit belegten Broten.

„Willst du etwas essen?“

„Später vielleicht.“

„Dann geh dich erst waschen. Das Handtuch hängt am Haken, das Bett ist fertig.“

Franziska legte das Schreiben auf die Kommode und nahm zum ersten Mal an diesem Abend ihre Uhr ab. Anton rief weiter an, doch sie ging nicht ran.

Am Morgen klingelte der Wecker um halb sieben. Ihre Schwester schlief noch. Franziska zog sich an, steckte das Schreiben in die Mappe und verließ leise die Wohnung.

Im Bürgeramt wurde sie von ihrer Vorgesetzten empfangen.

„Frau Schubert, Sie sind früh dran. Ich dachte, Sie gönnen sich heute wenigstens, erst zur Öffnung zu kommen.“

„Ich wollte mich vor den ersten Besuchern in meinem Büro zurechtfinden.“

Die Leiterin reichte ihr einen Schlüssel.

„Das Namensschild wird nachmittags angebracht. Richten Sie sich erst einmal ein.“

In dem neuen Raum standen zwei Schreibtische, ein Schrank mit leeren Regalböden und ein Computer, über den noch eine Schutzhülle gezogen war. Franziska öffnete die Jalousien, schaltete das Licht ein und hängte ihren Mantel an die Garderobe.

Auf dem Handy wurde wieder ein verpasster Anruf von Anton angezeigt. Gleich darauf kam eine Nachricht: „Lina hat die Reservierung storniert. Bist du jetzt zufrieden?“

Franziska las die Zeile, blockierte seine Nummer und legte das Telefon in die Schublade.

Dann startete sie den Computer, schob das Schreiben in die oberste Mappe und schlug den Terminkalender auf. Draußen auf dem Flur waren bereits die Stimmen der ersten Besucher zu hören.

Die Nachricht traf mich völlig unvorbereitet und zerschnitt die Stille eines ganz gewöhnlichen Arbeitstags. Auf dem Display meines Handys erschien der Name meines Verlobten, Lukas Lange. Darunter stand jedoch keine zärtliche Zeile, kein liebevoller Gruß, sondern ein nüchternes Dokument, so trocken wie ein amtliches Schreiben. Ich, Isabella Schröder, starrte einige Sekunden lang auf Zahlenkolonnen und Daten, ohne sofort zu begreifen, was ich da vor mir hatte. Es war der Tilgungsplan für einen Autokredit. Den Kredit seiner Mutter.