Am Nachmittag gelang ihr der erste Verkauf. Ein junges Paar suchte eine Schlafzimmereinrichtung. Laura nahm sich Zeit, führte die beiden zu mehreren Modellen, erklärte Unterschiede bei Materialien, Stauraum und Verarbeitung und ließ sie in Ruhe vergleichen. Schließlich entschieden sich die frisch Verheirateten für ein komplettes Set im Wert von rund 800 Euro.

„Sehr gut gemacht“, lobte Thomas Beck sie später. „Ihre Provision daraus liegt bei etwa 40 Euro. Für den ersten Tag ist das wirklich ordentlich.“

Laura konnte ein Lächeln nicht unterdrücken. Vierzig Euro zusätzlich an einem einzigen Tag. Wenn es regelmäßig Verkäufe gab, ließ sich damit einiges aufbauen. Natürlich würde nicht jeden Tag ein Abschluss gelingen, das war ihr klar. Aber selbst zehn oder fünfzehn Verkäufe im Monat bedeuteten eine spürbare Ergänzung zum festen Gehalt.

Am Abend ging sie mit unerwartet leichtem Herzen nach Hause. Eine neue Stelle, neue Möglichkeiten, neue Menschen um sie herum. Zum ersten Mal seit langer Zeit hatte sie das Gefühl, dass ihr Leben sich wieder ordnete. Im Hof begegnete sie ihrer Nachbarin Christina Friedrich, die gerade mit einer Einkaufstasche stehen geblieben war.

„Laura, wo ist denn dein Mann?“, fragte die ältere Frau neugierig. „Ich habe ihn schon ewig nicht mehr gesehen.“

„Wir sind geschieden“, antwortete Laura ruhig.

„Ach, du meine Güte!“ Christina Friedrich schlug betroffen die Hände zusammen. „Dabei habt ihr immer so harmonisch gewirkt.“

„So etwas kommt vor“, sagte Laura und hob leicht die Schultern. „Menschen verändern sich.“

„Na ja, du wirst schon noch jemanden finden. Du bist eine gute Frau.“

Laura bedankte sich für die freundlichen Worte und ging hinauf in ihre Wohnung. Dort schaltete sie Musik ein, die Sebastian Beck nie hatte ausstehen können, und bereitete sich ein Abendessen zu. Ein frischer Salat und gebackener Fisch — genau das, worauf sie Lust hatte, nicht das, was ihr ehemaliger Mann verlangt hätte.

Eine ganze Woche lang blieb das Telefon still. In dieser Zeit gewöhnte Laura sich an den neuen Arbeitsrhythmus, lernte ihre Kolleginnen und Kollegen besser kennen und verdiente ihre ersten Provisionen. Thomas Beck zeigte sich zufrieden. Die Kunden spürten offenbar, dass Laura ehrlich beriet und sich Mühe gab, statt ihnen einfach nur das Teuerste verkaufen zu wollen. Nach wenigen Tagen hatte sie bereits drei Möbelsets vermittelt und bewegte sich deutlich sicherer durch die Ausstellung.

Am Freitagabend kam sie nach einem besonders gelungenen Arbeitstag zurück. Eine junge Familie hatte ein Kinderzimmer für etwa 1.200 Euro gekauft, und Lauras Anteil daran betrug fast 50 Euro. Auf dem Heimweg rechnete sie im Kopf durch, was sie in diesem Monat zusätzlich verdienen könnte, und überlegte, welche Kleinigkeiten sie in ihrer Wohnung endlich erneuern wollte.

Vor dem Hauseingang stand ein vertrauter blauer Wagen. Laura blieb stehen, und ihre Stirn zog sich zusammen. Es war Sebastians Limousine. Er saß hinter dem Steuer, hatte das Fenster heruntergelassen und rauchte. Als er sie bemerkte, stieg er aus.