Ich nahm mein Handy, wählte die 110 und schilderte der Leitstelle mit fester Stimme, dass mein Ehemann gerade mein Eigentum zerstört und mein Arbeitsgerät vernichtet hatte, wodurch meinem Unternehmen erheblicher Schaden entstanden sei. Die Adresse nannte ich langsam und deutlich. Lukas wurde kreidebleich.
„Du rufst wirklich die Polizei? Wegen so einem Laptop?“
„Das nennt man Sachbeschädigung mit erheblichem Schaden“, erwiderte ich und erinnerte mich an Beatrice Schäfers Worte. „Paragraf 303 Strafgesetzbuch. Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder Geldstrafe. Und wenn man genauer hinsieht, kommt noch der Eingriff in meine berufliche Tätigkeit dazu. Du sammelst gerade fleißig weitere Probleme, mein Lieber.“
Er sprang auf mich zu und versuchte, mir das Telefon aus der Hand zu reißen. Ich wich zurück und stellte auf Lautsprecher. Die Beamtin am anderen Ende bekam jedes Wort mit. Keine zehn Minuten später standen zwei Polizisten in der Wohnung. Lukas wurde zur Klärung des Sachverhalts mitgenommen. Ich erstattete Anzeige wegen des verschwundenen Geldes vom gemeinsamen Konto und wegen des zerstörten Laptops. Beatrice Schäfer hatte inzwischen bereits eine elektronische Eingabe an die zuständige Dienststelle geschickt, samt Scan meiner Erklärung und den gesicherten Belegen. Das Rad begann sich zu drehen.
Die folgenden drei Tage wurden für Lukas’ Familie zu einem einzigen Albtraum. Helena Gross versuchte zunächst, alte Kontakte zu aktivieren. Ein Bekannter aus dem höheren Polizeidienst rief beim Ermittler an und wollte offenbar Druck aufbauen. Doch Beatrice Schäfer meldete sich persönlich bei ihm und erinnerte ihn an einen alten Fall, in dem er als Zeuge aufgetreten war und sie ihn damals vor ernsthaften Schwierigkeiten bewahrt hatte. Danach war von diesem Mann nichts mehr zu hören.
Lukas’ Vater erschien in meiner gemieteten Wohnung — ich war inzwischen umgezogen — mit einem Blumenstrauß und einem Umschlag in der Hand. Er flehte mich an, seiner Frau zu vergeben, alles rückgängig zu machen, und versprach, jeden Schaden zu ersetzen, sogar darüber hinaus.
„Wir zahlen die ganzen zweitausend Euro zurück“, sagte er mit zitternder Stimme. „Auch den Laptop ersetzen wir. Bitte, Clara, nimm die Anzeige zurück. Lass Lukas nicht untergehen. Er ist kein Verbrecher, er ist nur dumm gewesen.“
Ich sah ihn an, und in mir mischten sich Mitleid und Ekel.
„Ihr Sohn hat Geld von unserem gemeinsamen Konto genommen. Ihre Frau wollte, dass ich mein Geschäft auf sie überschreibe. Für Sie alle war ich nichts weiter als eine Geldquelle. Und jetzt kommen Sie angekrochen. Nein. Ich nehme nichts zurück. Die Ermittlungen sollen ihren Lauf nehmen.“
Am nächsten Tag rief Helena Gross selbst an. Ihre Stimme war brüchig, sie weinte.
„Clara, bitte. Lass meinen Lukas da raus. Ich gebe alles zurück. Das Geld für das Restaurant, die verschwundene Summe, den Laptop — alles. Wenn du willst, überschreiben wir dir sogar die Wohnung. Nur sorg dafür, dass dieses Strafverfahren verschwindet. Das Leben meines Sohnes bricht zusammen. Wegen deines Skandals hat er seine Stelle verloren.“