„Sie haben mir mit Scheidung und Schulden gedroht“, antwortete ich eiskalt. „Sie haben mein Geld genommen. Ihr Sohn hat mein Arbeitsmittel zerstört. Sie sind für mich niemand mehr. Kriechen werden Sie trotzdem, Helena Gross. Aber nicht vor mir. Vor dem Gesetz.“
Dann legte ich auf. Mir war schwer ums Herz, aber es war kein schmutziger Schmerz mehr. Es war der klare, brennende Schmerz der Befreiung.
Einen Monat später kam es zur Verhandlung. Lukas wurde wegen des Geldes verurteilt, erhielt eine Bewährungsstrafe und musste sowohl die entwendete Summe als auch den Wert des Laptops ersetzen. Die versuchte Erpressung, die auf der Aufnahme zu hören war, wurde zunächst in einem gesonderten Verfahren geprüft. Zu einer Anklage gegen Helena Gross und Mila Braun kam es vorerst nicht, weil beide rechtzeitig ein außergerichtliches Entgegenkommen suchten und mir eine beträchtliche Entschädigung zahlten, nur damit die Aufnahme nicht zum Kern eines weiteren Strafverfahrens wurde. Beatrice Schäfer verhandelte hart und geschickt. Am Ende bekam ich mein Geld zurück, zusätzlich eine Entschädigung für den erlittenen Schaden und die seelische Belastung.
Mit der Wohnung war es komplizierter. Doch ich konnte nachweisen, dass die erste Zahlung aus meinem Vermögen geleistet worden war. Das Gericht erkannte meinen Anspruch auf einen Anteil an und verpflichtete Lukas, mir dessen Wert in Raten auszuzahlen. Danach gab es nichts mehr, was mich an diese Ehe band. Ich reichte die Scheidung ein, und einen weiteren Monat später waren Lukas Hermann und ich offiziell keine Eheleute mehr.
An einem Abend saß ich in meiner kleinen Mietwohnung, trank Tee aus einem Pappbecher und blickte durch das frisch geputzte Fenster in den Sonnenuntergang. Da klingelte mein Telefon. Beatrice Schäfer.
„Clara“, sagte sie ohne Einleitung, „ich habe nachgedacht. Wie wäre es, wenn wir gegen deine Schwiegermutter noch eine Gegenklage wegen Verleumdung vorbereiten? Ich habe eine schriftliche Aussage von deinen Nachbarn. Sie hat überall erzählt, du seist eine Diebin. Daraus lässt sich durchaus noch ein Anspruch wegen Rufschädigung machen.“
Ich lächelte und nahm einen Schluck Tee.
„Machen wir, Beatrice. Ich bin gerade erst warm geworden.“