Geschichte
„Manche Menschen müssen wirklich nur dasitzen, und schon fällt ihnen ein Vermögen direkt in den Schoß. Kein Finger krumm gemacht, kein bisschen Mühe — einmal blinzeln, und schon ist man reich“ schimpfte Laura Simon vor Neid, während Mutter und Tochter insgeheim Pläne schmiedeten

„Manche Menschen müssen wirklich nur dasitzen, und schon fällt ihnen ein Vermögen direkt in den Schoß. Kein Finger krumm gemacht, kein bisschen Mühe — einmal blinzeln, und schon ist man reich“ schimpfte Laura Simon vor Neid, während Mutter und Tochter insgeheim Pläne schmiedeten

Abstoßend, wie unverdientes Glück die Neidenden quält.

172 Leser 6 Seiten ~4 Min.

— Nein, ich fasse es einfach nicht, — schimpfte Laura Simon, und in ihrer Stimme lag unverhohlener Ärger. — Manche Menschen müssen wirklich nur dasitzen, und schon fällt ihnen ein Vermögen direkt in den Schoß. Kein Finger krumm gemacht, kein bisschen Mühe — einmal blinzeln, und schon ist man reich.

— Da sagst du etwas, mein Kind, — stimmte Stefanie Lange ihr sofort zu. — Wenn das kein Glück ist, dann weiß ich auch nicht. Aber erklär mir mal: Wozu braucht sie überhaupt so eine Wohnung? Und dann auch noch in einem alten, vornehmen Haus mitten im Zentrum! Ich kann mir lebhaft vorstellen, was so etwas heute auf dem Immobilienmarkt wert ist.

— Ich bin doch selbst völlig vor den Kopf gestoßen! Wer hätte ausgerechnet unserer stillen Mia so etwas zugetraut? — fuhr Laura Simon missmutig fort.

— Und in dieser Wohnung soll es alles Mögliche geben: antike Möbel, teure Ölgemälde, altes Geschirr… Alexander Walter hat mir davon erzählt.

— Unser Alexander hat ja wirklich einen Fang gemacht, — sagte Laura Simon spöttisch. — Dabei wirkt seine Frau auf den ersten Blick wie ein graues Mäuschen: keine besondere Figur, kein auffälliges Gesicht. Was mein Bruder bloß an ihr gefunden hat? Und nun sieht es so aus, als hätte er den Hauptgewinn gezogen. — Sie seufzte neidisch. — Mir hätte so ein Glück besser gestanden. Ich bin hübsch, klug, und an meinem Aussehen gibt es nun wirklich nichts auszusetzen. Wenn ich erst einmal so eine Immobilie hätte, dann würdest du sehen, was ich daraus machen könnte! O ja!

Mutter und Tochter machten sich gerade bereit, Alexander Walter und seine Frau zu besuchen. Am Vortag hatte Alexander ihnen eine Nachricht erzählt, die beide aus der Fassung gebracht hatte. Seitdem nagten Ärger und Neid an ihnen.

Doch stärker als alles andere war ein anderer Wunsch: Sie wollten dieses fremde Vermögen irgendwie in ihre eigenen Hände bekommen. Genau dieser Gedanke ließ ihnen nun keine Ruhe mehr.

Begonnen hatte alles eine Woche zuvor. Völlig unerwartet — sogar für Mia Peters selbst — war die Nachricht gekommen, dass sie zur Erbin eines beträchtlichen Vermögens geworden war.

— Interessant ist nur, warum du mir nie ein Wort davon gesagt hast, dass du so einen reichen Vater hattest, — wunderte sich Alexander Walter, kaum weniger als seine Frau. — Du hast mir doch selbst erzählt, dass du mit deiner Mutter in einer armseligen Einzimmerwohnung am Stadtrand gelebt hast und ihr kaum über die Runden gekommen seid. Du hast erzählt, wie dich die Kinder in der Schule wegen deiner billigen Kleidung und deiner Schuhe ausgelacht haben. Dass ihr euch irgendwie ernährt habt und immer nur bis zum nächsten Gehalt durchhalten musstet. Und jetzt kommt plötzlich heraus, dass dein Vater ein richtiger Geldmann war?

— Ich wusste bis vor Kurzem überhaupt nichts über ihn, — erklärte Mia Peters leise, als müsste sie sich rechtfertigen. — Mutter hat nie über ihn gesprochen. Das Einzige, was ich wusste, war, dass er sie irgendwann verraten hatte. Danach verbot sie ihm, in unserem Leben aufzutauchen.

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