— Das klingt ja wie aus einem Film.
— Ja, wenn es nur so gewesen wäre… In Wahrheit war alles viel nüchterner. Obwohl es ein paar merkwürdige Vorfälle gab. Ich ging damals noch zur Schule. Mehrmals hielt auf der Straße ein großes, schönes Auto neben mir. Aus dem Wagen sah mich immer derselbe Mann aufmerksam an. Er sagte kein Wort, fragte nichts, stieg nicht aus. Dann reichte mir der Fahrer ein großes Kuscheltier und eine Tüte mit Süßigkeiten und Obst. Danach fuhren sie wieder davon.
— Ich sag doch: wie im Kino, — meinte Alexander Walter verblüfft.
— Und meine Mutter… Sie warf alles weg, was ich nach Hause brachte. Ich habe jedes Mal bitterlich geweint, weil mir die Geschenke leidtaten. Sie selbst konnte mir mit ihrem kleinen Gehalt so etwas nicht kaufen. Oder nur äußerst selten.
— Also bei deiner Mutter scheint im Kopf wirklich einiges schiefgelaufen zu sein! — empörte sich ihr Mann.
— Alexander, hör auf! Wie kannst du so reden? Sie ist meine Mutter, — sagte Mia Peters verletzt.
— Aber habe ich denn unrecht? Sie lebte selbst in Armut und ließ ihr Kind ebenfalls halb hungrig aufwachsen. Sie muss gewusst haben, wie deine Mitschüler dich behandelt haben, und trotzdem hat sie zugelassen, dass du leidest. Gleichzeitig lehnte sie das Geld ihres früheren Mannes ab. Geld stinkt nicht — was soll man da noch sagen?
— Versuch zu verstehen: Meine Mutter ist sehr stolz. Außerdem wissen wir beide nicht, was damals wirklich zwischen ihnen passiert ist. Deshalb maße ich mir kein Urteil über sie an, und du solltest es auch nicht wagen.
Nun kam ans Licht, dass mein Vater deutlich älter gewesen war als meine Mutter und ein sehr einträgliches Geschäft geführt hatte. Vielleicht war dabei nicht einmal alles ganz sauber gelaufen, sagte Mia Peters nachdenklich.
— Und außer dir gibt es wirklich keine weiteren Erben? Das ist alles ziemlich merkwürdig. Wir sollten Beatrice Richter trotzdem bitten, uns endlich die ganze Wahrheit zu erzählen. Es ist höchste Zeit, meinte Alexander Walter beharrlich.
— Ach, ich weiß nicht, ob Mama darüber sprechen will. Aber ich werde sie auf jeden Fall fragen. Ich möchte ja selbst wissen, wer mein Vater eigentlich war und weshalb sie seine Unterstützung zurückgewiesen hat, obwohl wir sie so dringend gebraucht hätten.
Vor Kurzem waren die Eheleute in die große, prachtvoll eingerichtete Wohnung gefahren, die Mia Peters von ihrem Vater geerbt hatte. Was sie dort sahen, verschlug ihnen beinahe den Atem: kostbare Gemälde, alte Vasen, ungewöhnliche antike Mahagonimöbel und unzählige andere luxuriöse Einrichtungsstücke.
— Unglaublich! Das ist ja eher ein Museum als eine Wohnung! rief Alexander Walter und machte keinen Versuch, seine Begeisterung zu verbergen. — Aber bequem leben kann man hier wohl kaum. Wir verkaufen das alles und kaufen uns irgendwo im Grünen ein modernes Haus. Nicht wahr, Mia? Und für ein sorgenfreies Leben bleibt immer noch mehr als genug übrig. Arbeiten müssten wir dann eigentlich gar nicht mehr.
— Ich weiß nicht… Ich habe noch nichts entschieden. Ich muss mich erst an diesen Gedanken gewöhnen. Im Moment bin ich dazu einfach noch nicht bereit, antwortete Mia Peters leise, noch immer überwältigt von allem, was sie gesehen hatte.