Wie unter einem Zauber ging sie durch die weitläufigen Zimmer mit den hohen Decken, strich mit den Fingern über schwere Vorhänge und über Möbel von atemberaubender Schönheit. Vor den Bildern blieb sie lange stehen, als könne sie in jedem einzelnen eine ganze verborgene Welt erkennen.
— Was gibt es da groß zu überlegen? Verkaufen, fertig! ließ ihr Mann nicht locker. — Hier kann man doch unmöglich wohnen, ganz ehrlich.
Währenddessen blieben auch die Schwiegermutter und die Schwägerin nicht untätig. Sie schmiedeten bereits ihren eigenen Plan.
— Wir müssen ihr klarmachen, dass Mia Peters zu unserer Familie gehört. Und was bedeutet das? Alles, was ihr gehört, betrifft automatisch auch uns, redete Laura Simon eifrig auf ihre Mutter ein.
— Glaubst du wirklich, sie hat überhaupt keinen Verstand? fragte Stefanie Lange skeptisch. — Mia ist zwar still und zurückhaltend, aber vollkommen dumm ist sie sicher nicht.
— Ach, komm schon! Denk doch nur daran, in welcher Armut sie aufgewachsen ist. Mia hat nicht einmal eine ungefähre Vorstellung davon, was diese ganzen Schätze wert sind. Und ihre Mutter, diese Beatrice Richter, wirkt auch nicht gerade zurechnungsfähig. Mama, überleg doch mal: Was konnte so eine Frau ihrer Tochter schon mitgeben? Was sollte sie ihr beigebracht haben? Mit uns wird Mia sich jedenfalls bestimmt nicht anlegen, widersprach Laura Simon überzeugt.
— Da hast du recht, mein Mädchen. Wozu braucht sie das alles auch? Mit so einem Vermögen vernünftig umzugehen, wird sie ohnehin nicht schaffen. Entweder verprasst sie es vor lauter Freude oder verschenkt es aus lauter Gutmütigkeit. Das würde zu ihr passen.
— Genau das meine ich doch! Wir müssen Mia davon überzeugen, dass du und ich uns um den Verkauf der Wohnung und sämtlicher Gegenstände darin kümmern sollten. Wir finden im Handumdrehen Leute, die sich mit solchen Dingen auskennen, erklärte Laura Simon ihre Version des Plans.
— Ja, Töchterchen, stimmte Stefanie Lange zu. — In diesem Punkt hast du vollkommen recht. So eine Angelegenheit ist nicht einfach. Das ist schließlich nicht irgendeine armselige Betonwohnung am Stadtrand, die man schnell loswird. Hier braucht man eine ganz andere Vorgehensweise.
— Ich werde Mia Peters versichern, dass sie davon keine Ahnung hat und man sie garantiert übers Ohr hauen wird. Unsere naive Kleine würde man um ein Vermögen bringen. Und dort geht es wirklich um gewaltige Summen! fuhr Laura Simon begeistert fort, während sie in Gedanken bereits über fremden Reichtum verfügte.
— Du bist mir vielleicht ein kluges Köpfchen, Laura Simon! Dann leg los. Wir werden schon dafür sorgen, dass wir nicht zu kurz kommen. Wichtig ist nur, dass die Schwiegertochter uns so schnell wie möglich eine umfassende Vollmacht ausstellt, damit wir mit dem Verkauf all ihrer Kostbarkeiten beginnen können.
Mias Mutter, die keineswegs so einfältig war, wie Stefanie Lange glaubte, hatte mit genau einer solchen Reaktion gerechnet. Deshalb bat sie ihre Tochter zu sich, ausdrücklich ohne deren Mann, um sie vor möglichen Fehlern zu warnen.