— Mia Peters, ich muss ernsthaft mit dir sprechen, begann Beatrice Richter ruhig, aber bestimmt. — Du bist ein sehr gutes, vertrauensvolles Mädchen.

Ich habe nichts dagegen, dass dein Vater dir ein solches Vermögen hinterlassen hat. Im Gegenteil: Ich war mir immer sicher, dass es irgendwann so kommen würde und Christian Engel sich vor seinem Tod an seine einzige Tochter erinnern würde. In diesem Punkt hat er anständig gehandelt, das muss man ihm lassen. Möge man ihm das Gute bewahren. Aber um ihn geht es jetzt nicht, Mia, sondern um dich.

Sei wachsam. Die Verwandtschaft deines Mannes wird versuchen, dich bis auf den letzten Cent auszunehmen, und sie werden es dir noch als etwas Vernünftiges verkaufen. Sie werden sagen, das Geld bleibe ja ohnehin in der Familie. Fall nicht auf solche Worte herein.

— Gut, Mama, ich passe auf, versprach Mia leise. — Ehrlich gesagt bin ich nach dem Besuch in Papas Wohnung immer noch völlig durcheinander. Ich kann das alles gar nicht begreifen. Dort ist es so unglaublich schön! Ich finde nicht einmal die richtigen Worte dafür. Es ist, als wäre man in einem verzauberten Palast.

— Ach, mein Mädchen, seufzte Beatrice Richter und strich ihrer Tochter zärtlich über das Haar. — Im Grunde bist du immer noch so kindlich geblieben. Und doch bin ich froh, dass das Schicksal dir wenigstens jetzt etwas für all die Tränen und die schweren Jahre deiner Kindheit zurückgegeben hat.

— Mama, erzähl mir von Papa, bat Mia nach kurzem Schweigen.

— Da gibt es nicht viel zu erzählen. Ich war dumm, Mia. Dumm und viel zu stolz. Vielleicht hätte ich damals anders handeln müssen. Dann hätten wir beide ein ganz anderes Leben gehabt und uns nicht ständig von einem Monat zum nächsten durchschlagen müssen.

Christian und ich lernten uns kennen, als ich sechsundzwanzig war. Er war damals schon deutlich über vierzig. Er wurde mit einem akuten Anfall in unsere Klinik eingeliefert, es musste sofort operiert werden. Nur deshalb landete er nicht in irgendeiner teuren Privatklinik, sondern bei uns im städtischen Krankenhaus, wohin ihn der Rettungswagen gebracht hatte.

Ich gefiel ihm. Er machte mir Komplimente, weil ich Spritzen setzen konnte, ohne ihm weh zu tun, sprach von meinen sanften Händen und meinen schönen Augen. Und er sagte das nicht plump, sondern so warmherzig, so überzeugend, dass ich ihm glaubte.

Nachdem er entlassen worden war, sahen wir uns weiter. Dein Vater konnte sehr charmant sein. Er brachte Blumen, lud mich ein, fand immer die richtigen Worte und sprach von Liebe, als gäbe es nichts Aufrichtigeres auf der Welt.

Als ich ihm sagte, dass ich mit dir schwanger war, verschwand er plötzlich. Einfach so. Ich habe damals furchtbar gelitten, geweint und begriffen, dass ich für ihn wohl nur ein Zeitvertreib gewesen war. Erst nach deiner Geburt tauchte Christian wieder auf.

— Und dann? Warum hast du ihn weggeschickt, Mama? fragte Mia ungeduldig.

— Weil er… Beatrice stockte, als müsse sie die Demütigung noch einmal hinunterschlucken. — Weil er mir etwas anbot, das ich nicht ertragen konnte. Er wollte, dass ich seine ausgehaltene Frau werde. Da erfuhr ich auch, dass er längst verheiratet war. Kinder hatten er und seine Frau keine, aber sein Schwiegervater war ein einflussreicher Mann, der in ziemlich undurchsichtige Geschäfte verwickelt war. Christian arbeitete für ihn und hing selbst tief in diesem Geflecht. Seine Frau verlassen konnte er angeblich nicht. Damals erklärte er mir, man würde ihn schlicht nicht am Leben lassen.