— Und weiter? Warum hast du mir verboten, Kontakt zu ihm zu haben? Warum wolltest du nicht, dass er uns hilft? Du hast doch so viel gearbeitet, Mama, und trotzdem hatten wir nie genug Geld. Warum mussten wir so arm leben?
— Ich sagte es doch: Ich war stolz. Heute würde ich vieles anders machen. Ich weiß, dass es für dich schwer war, ohne Vater aufzuwachsen. Verzeih mir, Mia. Aber da war noch etwas… Ich hatte Angst um dich. Wirklich Angst. Wenn seine Frau erfahren hätte, dass es dich gibt, hätte sie sich rächen können.
— Und später?
— Vor zwei Jahren erschien Christian wieder in meinem Leben. Er sagte, sein Schwiegervater sei inzwischen tot, und seine Frau sei kurz zuvor ebenfalls gestorben. Er schlug vor, dass wir beide zu ihm in seine Wohnung ziehen. Aber du warst damals schon mit Alexander Walter zusammen, eure Hochzeit stand praktisch bevor. Und ich… Beatrice lächelte müde. — Weißt du, in mir war längst alles ausgebrannt. Allein ging es mir besser als mit irgendeinem Mann an meiner Seite. Wahrscheinlich hatte ich zu lange auf mein Glück gewartet. Irgendwann war ich einfach müde davon.
Mia fuhr später von ihrer Mutter nach Hause. Am Abend klingelte ihr Telefon, und auf dem Display erschien der Name ihrer Schwiegermutter.
— Na, Mia Peters, sagte Stefanie Lange mit gespielter Munterkeit, jetzt zeigst du uns aber endlich dein Erbe! Du darfst ruhig ein bisschen angeben. Es wird Zeit.
— Sie möchten Papas Wohnung sehen? Gut. Morgen bin ich ab dem Vormittag dort, ich muss noch seine Unterlagen durchsehen. Mama meinte, es gäbe dort Briefe für mich. Kommen Sie vorbei, ich schicke Ihnen die Adresse.
Am nächsten Tag bewegten sich Stefanie Lange und Laura Simon fast lautlos durch die Räume. Beide wirkten wie betäubt. Natürlich hatten sie damit gerechnet, eine teure, gut eingerichtete Wohnung vorzufinden. Doch auf einen solchen Luxus waren sie nicht vorbereitet gewesen.
Die beiden Frauen bemühten sich zwar um ein freundliches Gesicht.
Doch der Neid, der ihnen in den Augen stand, ließ sich durch die angestrengten Mienen nicht verbergen.
„Nun, Mia“, begann Stefanie Lange mit betont sanfter Stimme, fast schmeichelnd, „hast du dir schon überlegt, was du mit all dem hier anfangen willst?“
„Noch nicht“, erwiderte Mia Peters knapp.
„Wie, noch nicht?“ Laura Simon schaltete sich sofort ein. „Verkaufen musst du das, was denn sonst! Wozu brauchst du diesen ganzen alten Kram? Hast du überhaupt eine Vorstellung davon, welche Summen Sammler für die Dinge in dieser Wohnung zahlen würden? Und die Wohnung selbst sollte man natürlich ebenfalls klug veräußern. Nicht unter Wert, sondern richtig gewinnbringend. Hast du jemanden, der so etwas für dich regeln kann?“
Mia sah die beiden ruhig an. Die Worte ihrer Mutter kamen ihr wieder in den Sinn, und plötzlich wurde ihr Ton deutlich kühler.
„Warum sorgt ihr euch eigentlich so sehr um meine Wohnung?“
Diese direkte Frage traf Stefanie und Laura sichtbar unvorbereitet.
„Wir machen uns doch nur Gedanken um dich, Mia“, sagte die Schwiegermutter rasch. „Wir möchten dir und Alexander Walter helfen.“