„Dann hör gut zu, liebe Ehefrau. Wenn du dich jetzt weigerst, reiche ich morgen früh die Scheidung ein. Und dann wird alles geteilt, wirklich alles. Auch dein geliebtes Haus im Grünen. Grundstück und Gebäude wurden während unserer Ehe gekauft und eingetragen. Rechtlich gehört mir die Hälfte. Ich verkaufe meinen Anteil für einen Spottpreis an irgendwelche Fremden, und du wirst selbst von dort verschwinden. Also entscheide dich: Entweder du begleichst Antonias Schulden, oder du verlierst dein Landhaus.“
Frieda Schröder hob triumphierend das Kinn und nickte zufrieden, als hätte Markus gerade ein besonders kluges Urteil gesprochen. Antonia Schubert löste endlich den Blick von ihrem Handy und musterte mich mit einem kaum verhohlenen Grinsen. Sie hatten alles durchgerechnet. Jeder Schritt war vorbereitet. Es war eine perfekte Erpressung, sauber verpackt als Familiensorge. Mein Mann wusste genau, wie sehr ich an diesem Ort hing, an dem einzigen Platz, an dem ich nach erschöpfenden Arbeitstagen wieder atmen konnte.
Ich betrachtete ihre selbstzufriedenen Gesichter. So lange hatte ich versucht, eine verständnisvolle Ehefrau zu sein. Ich hatte in Streitigkeiten nachgegeben, Spannungen geglättet, den Alltag organisiert und viel zu oft darüber hinweggesehen, wie selbstverständlich Markus meine Mühe ausnutzte. Ich bezahlte Rechnungen, kaufte Lebensmittel, plante das Budget und hielt unser gemeinsames Leben zusammen. Doch in diesem Moment waren alle Masken gefallen. Sie wollten mich nicht überzeugen. Sie wollten mich in die Ecke drängen.
Langsam ließ ich die Luft aus meinen Lungen entweichen, senkte den Blick auf die Tischplatte und spielte mit vollkommener Überzeugung die Frau, die sich geschlagen gab.
„In Ordnung“, sagte ich leise, ohne dass meine Stimme auch nur einen Moment schwankte. „Du hast gewonnen, Markus. Das Wochenendhaus rühre ich nicht an. Morgen früh fahre ich zu den Gläubigern und begleiche alles bis auf den letzten Cent. Lass mir die Bankdaten und die Kreditunterlagen da.“
Die Stimmung im Raum kippte augenblicklich. Die angespannte Schwere, die eben noch über dem Tisch gehangen hatte, löste sich auf, als hätte jemand ein Fenster geöffnet. Frieda Schröder schlug entzückt die Hände zusammen, und auf ihrem Gesicht breitete sich ein strahlendes, beinahe triumphierendes Lächeln aus.
„Na also, Laura Krüger! Genau so ist es richtig! Ich habe immer gesagt, du bist eine kluge Frau“, säuselte meine Schwiegermutter und strich sich dabei die Frisur zurecht. „Die Familie steht an erster Stelle. Man muss zusammenhalten, komme, was wolle. Wir sind schließlich keine Fremden!“
Antonia Schubert klatschte vor Freude in die Hände und tippte im nächsten Augenblick schon hastig auf ihrem Handy herum. Vermutlich verbreitete sie die gute Nachricht sofort in irgendeinem Chat. Markus Gross legte mir gönnerhaft die Hand auf die Schulter, als hätte ich gerade eine Prüfung bestanden und seine Anerkennung verdient. Sie genossen ihren Sieg. In ihren Gesichtern stand die feste Überzeugung, dass sie mich gebrochen, in ihre Richtung gebogen und ohne jede Konsequenz für ihre Zwecke eingespannt hatten.