Dann hielt das erste Auto am Tor.

„Wer ist das?“, fragte Sabine und trocknete sich die Hände am Tuch ab.

Lukas blickte hinter dem Grill hervor und wirkte plötzlich auffallend munter.

„Meine Leute sind da.“

„Welche Leute?“

Zum Antworten kam er nicht mehr. Das Tor ging auf, und seine Eltern traten in den Hof. Anton trug eine Tüte mit Handtuch und frischem Hemd, als sei er nicht zu Besuch gekommen, sondern wolle sich für den ganzen Tag einrichten. Andrea folgte ihm und schirmte ihr Gesicht mit einer breiten Sonnenbrille gegen das Licht ab.

„Meine Güte, ist das heiß!“, verkündete sie noch im Eingang. „Sabine, hast du kaltes Wasser? Wir sind unterwegs fast zerkocht.“

Sabine sah Lukas an.

„Hast du sie eingeladen?“

„Na ja, ja“, sagte er betont locker. „Meine Eltern wollten schon lange mal wieder herkommen. Was ist denn dabei?“

„Auf die Idee, mich vorher zu fragen, bist du nicht gekommen?“

„Ach komm, das ist doch Familie.“

Dieses „doch Familie“ hatte Sabine schon oft gehört. Meist folgte danach, dass sie nachgeben, decken, kochen, aushalten oder so tun sollte, als sei alles genau so geplant gewesen.

Vor den Eltern ihres Mannes begann sie keinen Streit. Sie brachte Wasser hinaus und bot ihnen Plätze im Schatten an. Während Andrea die Beete musterte und sich wunderte, warum von den Erdbeeren schon kaum noch etwas übrig war, bremste am Tor der zweite Wagen.

Daraus stiegen Lukas’ Schwester Marie, ihr Mann Noah und ihre zwei Kinder. Noah marschierte sofort zum Grill, als werde dort ein Bericht von ihm erwartet. Marie winkte und rief:

„Sabine, wir bleiben auch gar nicht lange! Lukas meinte, wir könnten für einen Tag zu euch rauskommen. Zu Hause drehen die Kinder völlig durch.“

Sabine drehte sich langsam zu ihrem Mann um. Lukas tat so, als müsse er sich dringend um die Kohlen kümmern.

„Nicht lange — wie viele Personen bedeutet das?“, fragte sie.

„Na, Marie mit Familie“, murmelte er. „Warum fängst du denn jetzt schon wieder an?“

„Ich habe noch gar nicht angefangen.“

Zwanzig Minuten später kam Lukas’ Cousin Jonathan. Nicht allein. Er brachte seine Frau, den jugendlichen Sohn und eine ältere Tante mit, die Sabine in ihrem Leben vielleicht zweimal gesehen hatte. Kurz darauf erschien noch ein Auto vor dem Tor: ein alter Bekannter ihres Schwiegervaters samt Ehefrau. Wie sich herausstellte, hatte Anton die beiden „unterwegs einfach mitgenommen, weil es hier so schön ist“.

Gegen Mittag befanden sich vierzehn Menschen im Hof.

Niemand hatte Fleisch mitgebracht. Niemand Gemüse, Brot oder Getränke. Dafür waren alle ausgesprochen zufrieden mit sich. Andrea machte es sich im Schatten bequem und erklärte, draußen bekomme man einen „tierischen Appetit“. Marie schickte ihre Kinder zu Ella und Jonas, ohne zu fragen, ob die beiden überhaupt spielen wollten. Noah öffnete den Kühlschrank auf der Veranda und betrachtete die Fächer so gründlich, als stünde er in einem Laden. Jonathan zog sein T-Shirt aus und meinte, nach dem Essen könnten doch alle zum Teich laufen. Seine Frau Lina fragte nach einem Ladekabel fürs Handy. Jonathans Sohn nahm sich ungefragt Jonas’ Ball aus der Kiste.