
„Laura, meinst du nicht, wir hätten meine Leute lieber nicht einladen sollen?“ fragte Daniel nervös im Türrahmen, an seiner Krawatte zupfend
Die sorgfältig inszenierte Ruhe wirkt unheilvoll.
Laura deckte den Tisch mit beinahe angespannter Sorgfalt. Nichts sollte zufällig wirken, jedes Glas, jeder Teller, jede Serviette musste an seinem Platz liegen. Daniel wurde an diesem Tag fünfunddreißig — ein runder Geburtstag, und zum ersten Mal seit langer Zeit sollten beide Familien gemeinsam an einem Tisch sitzen. Die Kristallgläser, die ihre Mutter ihnen zur Hochzeit geschenkt hatte, stellte Laura besonders sichtbar neben das feine Porzellanservice.
„Laura, meinst du nicht, wir hätten meine Leute lieber nicht einladen sollen?“ Daniel stand im Türrahmen und zog nervös an seiner Krawatte herum, während er seiner Frau zusah.
„Daniel, es ist dein Geburtstag“, antwortete sie ruhig und legte das Besteck aus. „Natürlich sollen deine Mutter und Julia dabei sein. Und meine Eltern ebenfalls. Wir sind schließlich eine Familie. Wenigstens ab und zu muss man doch zusammenkommen können.“
Daniel gab nur ein leises Schnauben von sich, sagte aber nichts weiter. In den sieben Jahren ihrer Ehe hatte sich oft genug gezeigt, dass solche Treffen selten harmlos verliefen. Christina, Daniels Mutter, konnte mit einem einzigen Satz jede Feier verderben. Und Julia, seine jüngere Schwester, stand fast immer auf ihrer Seite und verstärkte jeden Angriff noch.
Als Erste erschienen Lauras Eltern. Simon und Maria waren genau die Art von Menschen, die man auf den ersten Blick als gebildet, zurückhaltend und höflich wahrnahm. Simon unterrichtete Geschichte an der Universität, Maria arbeitete in einer Bibliothek. Beide sprachen leise, drängten sich nie auf und versuchten, Streitigkeiten grundsätzlich aus dem Weg zu gehen.

„Mein Kind, du hast alles wunderschön gemacht“, sagte Maria und zog ihre Tochter liebevoll in die Arme. „Ich weiß gar nicht, wie du das alles immer schaffst.“
Laura erwiderte die Umarmung und flüsterte: „Mama, ich hoffe nur, dass heute alles ohne Zwischenfälle bleibt.“
Simon reichte seinem Schwiegersohn die Hand und übergab ihm ein Geschenk: eine teure Uhr in einem eleganten Etui aus Leder.
„Alles Gute zum Geburtstag, Daniel“, sagte er. „Möge die Zeit immer auf deiner Seite sein.“
„Vielen Dank, Simon“, erwiderte Daniel mit einem ehrlichen Lächeln. Mit seinem Schwiegervater hatte er stets ein ruhiges, respektvolles Verhältnis gehabt.
Etwa eine halbe Stunde später schrillte die Türklingel — energisch, ungeduldig, fast vorwurfsvoll. Christina war keine Frau, die gern wartete.
„Na endlich!“ Noch bevor die Tür richtig geöffnet war, trat Daniels Mutter schon in die Wohnung. „Danielchen, mein Junge, alles Liebe zum Geburtstag!“
Hinter ihr kam Julia herein, eine dreißigjährige, etwas jüngere Ausgabe ihrer Mutter. Beide trugen auffällige Kleider, viel Goldschmuck und aufwendig hochgesteckte Frisuren.
„Guten Abend, Christina“, begrüßte Maria sie höflich.
Die Schwiegermutter musterte sie von oben bis unten, als müsse sie erst entscheiden, ob diese Anwesenheit überhaupt hinnehmbar sei.
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