„Mama hat gesagt, sie wäre bereit, sich zu entschuldigen“, versuchte Leon sie zu überzeugen.
„Ich brauche keine Entschuldigung. Ich brauche die Gewissheit, dass sie versteht: Mein Geld gehört mir.“
„Sie hat es verstanden! Ich verspreche es dir!“
„Leon, deine Mutter wird sich nicht ändern. Morgen findet sie einen neuen Grund, warum meine Ersparnisse für jemand anderen ausgegeben werden sollen.“
Leon gab nicht sofort auf. Er kam vorbei, brachte kleine Geschenke mit und schwor ihr, wie sehr er sie liebe. Anna blieb dennoch standhaft.
Nach einem Monat war offensichtlich, dass es keine Versöhnung geben würde. Leon, der keinen Zugriff auf das Geld seiner Frau bekommen hatte, musste seine Niederlage hinnehmen. Er blieb bei seiner Mutter — dort, wo tatsächlich bald seine Schwester Laura Weiß mit ihrem Kind und ihren endlosen finanziellen Schwierigkeiten auftauchte.
Laura Weiß reiste aus ihrer Stadt an und kam bei ihrem Bruder unter. Sie hatte auf Unterstützung gehofft, doch Leon besaß kein Geld. Sein Gehalt reichte kaum für seine eigenen Ausgaben.
„Wo ist denn das Geld?“, fragte Laura Weiß fassungslos. „Mama hat gesagt, Anna sei reich!“
„Anna ist ausgezogen“, antwortete Leon düster. „Und ihr Geld hat sie mitgenommen.“
Seine Schwester empörte sich über die angebliche Habgier der früheren Schwägerin, ändern konnte sie an der Lage jedoch nichts.
Drei Monate später reichte Anna die Scheidung ein. Das Verfahren war schnell erledigt, denn es gab nichts zu teilen. Die Ersparnisse blieben bei Anna, Lauras Schulden bei Leon.
Ihr ehemaliger Mann versuchte zwar noch, vor Gericht einen Teil des Geldes für sich zu beanspruchen, doch er scheiterte. Die Rücklagen waren bereits vor der Ehe entstanden und später ausschließlich aus Annas eigenem Einkommen gewachsen. Das Gericht erkannte das Geld als ihr persönliches Eigentum an.
Zum ersten Mal seit langer Zeit spürte Anna echte Erleichterung. Ihre Zukunft hing nun nur noch von ihr selbst ab. Niemand konnte über ihre Ersparnisse bestimmen, niemand durfte sie für fremde Bedürfnisse ausgeben.
Sie legte weiter Geld zurück. Jetzt ging es sogar schneller voran, denn sie musste weder Leon mittragen noch seiner Verwandtschaft helfen. Nach zwei Jahren hatte Anna genug für die Anzahlung beisammen.
Die Wohnung ließ sie auf ihren eigenen Namen eintragen. Sie war klein, aber sie gehörte ihr. Endlich hatte Anna das erreicht, wovon sie vier Jahre lang geträumt hatte. Und aus der Familie ihres früheren Mannes stand niemand mehr neben ihr.