„Gut“, sagte sie schließlich schwer. „Einen Monat. Mehr verspreche ich nicht.“
Doch dieser Monat veränderte nichts. Als Brigitte Hoffmann zurückkam, wirkte sie nicht ausgeglichener, sondern noch verbissener. Die Zeit auf dem Land hatte ihre Bitterkeit nicht gedämpft, sondern ihr offenbar nur neuen Brennstoff gegeben.
Kaum stand sie wieder in der Diele, stellte sie die Reisetasche ab und verkündete:
„Jetzt ist mir alles klar geworden. Ihr wolltet mich einfach abschieben. Ihr habt gedacht: Die alte Närrin fährt hinaus, sitzt zwischen ihren Beeten und merkt nichts mehr.“
Laura Friedrich empfing ihre Schwiegermutter schweigend. Drei Wochen ohne Geschrei hatten sich für sie angefühlt wie ein Wunder. Stefan war entspannter gewesen, hatte wieder gelächelt, und an einem Wochenende waren sie sogar kurz an die Ostsee gefahren. Für zwei Tage hatte Laura fast vergessen, wie es war, in ständiger Anspannung zu leben.
Nun kehrte alles zurück.
Nur hatte Laura inzwischen etwas, wovon noch niemand wusste.
Die zwei Striche auf dem Test hatte sie bereits eine Woche zuvor gesehen. Zuerst hatte sie dem Ergebnis nicht getraut und am nächsten Morgen einen zweiten Test gemacht. Wieder dasselbe. Schwanger. Nach all den Jahren, nach so viel Hoffnung, Enttäuschung und stillen Tränen.
Drei Jahre lang hatten sie und Stefan versucht, ein Kind zu bekommen. Die Ärzte hatten die Schultern gehoben: medizinisch sehe alles gut aus, sagten sie, aber es klappe eben nicht. Und ausgerechnet jetzt, in den wenigen Wochen, in denen die Wohnung endlich friedlich gewesen war, war es geschehen.
Am Abend beugte Laura sich zu Stefan hinüber und flüsterte:
„Stefan, ich muss dir etwas sagen.“
Er wandte den Blick vom Fernseher ab.
„Was ist los?“
„Ich bin schwanger.“
Stefan erstarrte. Die Fernbedienung lag noch in seiner Hand. Langsam drehte er den Kopf zu ihr.
„Meinst du das ernst?“
„Sehr ernst. Ich habe zwei Tests gemacht.“
Im nächsten Moment zog er sie so fest an sich, dass sie kaum noch Luft bekam.
„Laura … mein Gott! Endlich! Ich kann es gar nicht glauben. Ich bin so glücklich!“
„Leise“, bat sie hastig und sah zur Tür. „Deine Mutter könnte etwas hören.“
„Na und?“, sagte Stefan, noch immer überwältigt. „Sie wird sich doch über ein Enkelkind freuen.“
Laura schüttelte nur den Kopf. Sie kannte Brigitte besser, als Stefan es wahrhaben wollte.
„Ich gehe erst zur Ärztin. Ich will sicher sein, dass alles in Ordnung ist. Danach sagen wir es ihr.“
Aber in einer kleinen Wohnung bleiben Geheimnisse selten lange verborgen. Eine Woche später kam Laura von der Frauenärztin zurück, die Schwangerschaft war bestätigt. In der Küche wartete Brigitte bereits auf sie. Ihr Gesicht war unbeweglich, hart wie Stein.
„Na?“, sagte sie statt einer Begrüßung. „Hast du dir also etwas eingefangen?“
Laura blieb wie angewurzelt stehen.
„Wie bitte?“
„Tu nicht so unschuldig.“ Brigitte verzog den Mund. „Ich bin nicht blind. Morgens rennst du ins Bad, Milch rührst du nicht mehr an. Also? Schwanger, ja?“
Ohne ein Wort ging Laura zum Kühlschrank, nahm eine Flasche Wasser heraus und schraubte sie auf. Ihre Hände zitterten so stark, dass der Deckel beinahe zu Boden fiel.