„Glaubst du jetzt, du darfst dir alles erlauben?“, fuhr Brigitte fort. „Meinst du, ich schleiche ab heute auf Zehenspitzen durch die Wohnung, damit das zarte Prinzesschen und sein Kindchen nicht gestört werden?“

Laura zwang sich, ruhig zu bleiben.

„Brigitte Hoffmann, das ist Ihr Enkelkind.“

„Mein Enkelkind?“ Brigitte stieß ein kurzes, verächtliches Lachen aus. „Woher soll ich wissen, wessen Kind das ist? Vielleicht war es ja der Nachbar, und du willst es meinem Sohn unterschieben.“

Diese Worte trafen Laura härter als eine Ohrfeige. Ihr Gesicht wurde kreidebleich. Sie griff nach der Tischkante, um nicht den Halt zu verlieren.

„Wie können Sie so etwas sagen?“

„Ganz einfach.“ Brigitte stand auf und beugte sich drohend zu ihr hinüber. „Drei Jahre lang warst du mit Stefan verheiratet und nichts ist passiert. Und jetzt, genau im passenden Moment, bist du plötzlich schwanger? Sehr merkwürdig, findest du nicht?“

Im Flur fiel die Wohnungstür ins Schloss.

„Mama, ich bin da! Laura? Wo bist du?“, rief Stefan.

„Hier sind wir“, antwortete Brigitte laut. „Wir sprechen gerade über eure freudige Neuigkeit.“

Stefan trat in die Küche. Sein Blick fiel zuerst auf Laura, die kaum noch aufrecht stehen konnte, dann auf seine Mutter, deren Gesicht vor Genugtuung glänzte.

„Was ist hier los?“

„Was wohl, mein Sohn?“ Brigitte lächelte giftig. „Deine liebe Frau macht uns demnächst zu Großeltern.“

Stefans Gesicht hellte sich sofort auf.

„Laura! Du hast es ihr erzählt?“

„Sie hat gar nichts erzählt“, unterbrach ihn Brigitte scharf. „Ich habe es selbst gemerkt. Und eins sage ich gleich: Von mir bekommt sie keine Hilfe. Soll sie sehen, wie sie mit ihren Problemen fertigwird.“

„Mama, hörst du dir eigentlich zu?“ Stefan starrte sie fassungslos an. „Das ist unser Kind.“

„Unser?“ Brigitte wandte sich ihm zu, und ihre Stimme wurde eindringlich. „Stefan, mein Junge, wach endlich auf. Sie legt dir eine Falle. Wenn das Kind erst da ist, hat sie dich endgültig in der Hand.“

Laura hielt es nicht länger aus. Die Tränen schossen ihr in die Augen und liefen unaufhaltsam über ihr Gesicht.

„Ich kann nicht mehr“, brachte sie hervor. „Ich halte das nicht mehr aus.“

Sie rannte aus der Küche.

Stefan wollte ihr sofort folgen, doch Brigitte stellte sich ihm in den Weg.

„Bleib hier. Lass sie heulen. Vielleicht kommt sie dabei zur Vernunft.“

Da fuhr er herum.

„Mama, merkst du überhaupt, was du tust? Sie ist schwanger. Dieser Stress kann ihr und dem Baby schaden.“

„Welchem Baby?“ Brigittes Stimme wurde eiskalt. „Stefan, komm zu dir. Diese Frau belügt dich.“

In diesem Augenblick riss in Stefan etwas endgültig. Er sah seine Mutter an, dieses verzerrte, feindselige Gesicht, und begriff plötzlich mit erschreckender Klarheit: Es reichte.

„Mama“, sagte er leise, aber so fest, dass selbst Brigitte verstummte, „morgen fahren Laura und ich weg.“

„Wohin denn bitte?“

„An die Ostsee“, antwortete Stefan. „Ich habe dort einen Freund.“

„Er wohnt dort schon seit Jahren“, fuhr Stefan fort. „Er hat mir eine Stelle in Aussicht gestellt. Wir werden dort neu anfangen.“