Mit festen Schritten ging sie zur Tür. Auf der Schwelle blieb sie noch einmal stehen.

„Laura, Sie machen alles richtig. Mathematik ist eine große Sache. Sie bringt sogar Betrüger ans Licht. Viel Glück, meine Liebe.“

Als die Tür hinter Elisabeth Braun ins Schloss fiel, lag wieder Stille über der Wohnung. Andreas saß im Sessel, das Gesicht in den Händen vergraben.

„Du hast alles kaputtgemacht“, brachte er heiser hervor.

„Nein, Andreas. Das warst du. Ich habe nur ausgerechnet, wie groß der Schaden ist. In Euro und Cent.“

Laura schob die Papiere ordentlich zurück in die Mappe und erhob sich.

„Morgen um zehn bist du beim Notar. Wir unterschreiben die Scheidungsvereinbarung — zu meinen Bedingungen. Wenn du nicht erscheinst, liegen meine Berechnungen um elf Uhr auf dem Schreibtisch von Konrad Bergmann.“

Andreas nickte wie gebrochen.

„Ich werde da sein.“

„Noch etwas.“ Laura blieb an der Tür stehen und sah ihn an. „Für deine Geliebte habe ich ebenfalls ein paar Zahlen vorbereitet. Zum Beispiel, dass Schmuck und Kleidung, die du ihr geschenkt hast, insgesamt dreiundzwanzigtausend Euro wert waren. Die Hälfte davon wurde mit meinem Geld bezahlt. Von unserem gemeinsamen Konto. Juristisch nennt man das Verschwendung ehelichen Vermögens. Das kann man zurückfordern. Mit Zinsen.“

Er riss den Kopf hoch.

„Du hast mit ihr gesprochen?“

„Noch nicht. Aber wenn du dich querstellst, tue ich es. Und dann erzähle ich ihr auch von deinen finanziellen Tricks in der Firma. Ich glaube, sie wird sehr genau wissen wollen, mit wem sie sich eingelassen hat. Ein Mann, der seinen Arbeitgeber bestiehlt und die Unterschrift seiner Mutter fälscht, ist nicht gerade ein Traumpartner.“

Andreas sprang auf.

„Das ist Erpressung!“

„Nein“, korrigierte Laura ihn ruhig. „Das ist Mathematik. Eine einfache Gleichung: Du hast genommen — du gibst zurück. Oder du verlierst alles. Entscheide selbst.“

Einen Monat später wurde die Ehe geschieden. Andreas zog in eine gemietete Einzimmerwohnung am Münchner Stadtrand. Sophia Peters hatte ihn verlassen, nachdem sie die Wahrheit über seine Machenschaften erfahren hatte. In seiner Firma begann nach einem anonymen Hinweis eine interne Finanzprüfung; Laura hatte schließlich einen Teil ihrer Berechnungen weitergeleitet, ohne alle Details offenzulegen. Andreas wurde zum einfachen Angestellten herabgestuft — mit einem Gehalt von sechshundert Euro.

Elisabeth Braun hielt Wort. Sie entfernte ihren Sohn aus dem Testament und setzte Mia Köhler als Erbin ein. Außerdem kam sie regelmäßig bei ihrer ehemaligen Schwiegertochter vorbei, meistens mit ihren berühmten Krautpasteten in einer warmen Schachtel.

Laura König wiederum hängte sich in ihrem Arbeitszimmer einen Satz in einem schönen Rahmen an die Wand:

„Zahlen lügen nicht. Sie zeigen die Wahrheit nur in ihrer reinsten Form.“

Ein halbes Jahr später versuchte Andreas, den Kindesunterhalt senken zu lassen, weil sein Einkommen angeblich gesunken sei. Laura reichte dem Gericht schlicht ihre Aufstellung über seine tatsächlichen Einnahmen der vergangenen Jahre ein. Der Unterhalt blieb unverändert, und Andreas wurde zusätzlich verpflichtet, die Rückstände zu begleichen.

Nach der Verhandlung holte er sie im Flur ein.

„Mit deinen Zahlen hast du mich ruiniert!“, schrie er.

Laura blieb stehen und sah ihn ohne jede Regung an.

„Nein“, sagte sie leise. „Du hast dich mit deinen Lügen selbst ruiniert. Ich habe nur alles ausgerechnet. Bis auf den letzten Cent.“

Der Schlüsseldienst traf nach einer halben Stunde ein. Laura Schmitt stand im Flur, an die Wand gelehnt, und beobachtete, wie der Monteur das Schloss der Wohnungstür auseinanderbaute. Als der alte Mechanismus schließlich in seiner Hand lag, löste sich in ihr etwas mit einem kaum hörbaren inneren Klicken. Vielleicht war genau das diese Befreiung, von der nach einer Scheidung alle sprachen.

„Sie haben sich für ein gutes Schloss entschieden“, bemerkte der Handwerker, während er den neuen Zylinder anpasste. „Stabil, zuverlässig.