
„Er ist mit mir auf Bali“ — anonyme Nachricht trifft Julia, sie sperrt mit kalten Fingern die Familienkarten
Diese schockierende Entdeckung ist zutiefst verwerflich.
Julia Böhm saß im Sessel neben dem Fenster und starrte auf das Display ihres Handys. Die Nachricht von einer unbekannten Nummer war bereits vor einer Stunde eingetroffen, doch sie hatte immer noch das Gefühl, als sei der Boden unter ihr weggezogen worden.
„Guten Tag. Ich weiß, wie seltsam das klingt, aber ich muss es Ihnen sagen. Ihr Mann ist gerade nicht auf Geschäftsreise. Er ist mit mir auf Bali. Es tut mir leid, ich wusste nicht, dass er verheiratet ist. Ich habe Fotos in seinem Telefon gesehen.“
Darunter waren mehrere Bilder angehängt. Markus Lehmann in Shorts am Strand. Markus Lehmann mit einem Cocktail in der Hand. Markus Lehmann, eng umschlungen mit einer jungen Blondine, hinter ihnen das Meer.
— Mama, was gibt es heute zum Abendessen? — Lena Meier, zehn Jahre alt, steckte vorsichtig den Kopf ins Zimmer.
— Ich mache Nudeln, mein Schatz, — Julia zwang sich zu einem Lächeln. — Geh bitte noch deine Hausaufgaben machen, ja?

Als ihre Tochter wieder verschwunden war, öffnete Julia die Banking-App. Die gemeinsame Familienkarte, über die sie normalerweise alle Ausgaben für den Haushalt bezahlten. Markus durfte dort im Moment eigentlich gar nicht auftauchen — schließlich war er angeblich in Berlin, auf einer wichtigen Geschäftsreise, bei entscheidenden Verhandlungen.
Sie rief die letzten Buchungen auf. Ein Einkauf im Duty-free-Shop am Flughafen. Danach eine Zahlung in einer Bar über etwa achtzig Euro — bereits in Denpasar. Ein Hotel. Ein Restaurant. Noch ein Restaurant. Ein Spa.
Julia ging in die Einstellungen und sperrte nacheinander sämtliche Karten, auf die ihr Mann Zugriff hatte. Die Hauptkarte, die Familien-Debitkarte, die Kreditkarte. Mit erstaunlich ruhigen Fingern drückte sie auf „sperren“. Fast ohne zu zittern. Kalt, sauber, endgültig.
— Mal sehen, wie du deinen Urlaub jetzt weiter genießt, mein Lieber, — murmelte sie.
Der Anruf kam drei Stunden später. Julia saß gerade mit Lena am Küchentisch und erklärte ihr eine Matheaufgabe.
— Süße, geh dir kurz einen Tee nehmen und ein paar Kekse dazu, ja? Ich bin gleich wieder da.
Sie nahm den Anruf an, sagte jedoch kein Wort.
— Julia! Julia, hörst du mich? — Markus’ Stimme klang angespannt, beinahe panisch. — Meine Karten funktionieren nicht! Ich sitze hier im Restaurant und kann die Rechnung nicht bezahlen!
— Wirklich? Wie furchtbar, — antwortete Julia ruhig, fast gleichgültig.
— Julia, das ist nicht witzig! Ich blamiere mich hier vor den Kollegen! Hast du irgendwas mit den Karten gemacht?
— Wo bist du gerade, Markus?
— Das habe ich dir doch gesagt, in Berlin, bei den Verhandlungen! Wir essen gerade mit den Geschäftspartnern.
— In Berlin also, — wiederholte Julia langsam. — Und wie ist dort das Wetter?
— Was? Was für ein Wetter? Julia, was soll das jetzt? Entsperr sofort die Karten!
— Weißt du, Markus, ich glaube, dazu habe ich keine Lust.
Am anderen Ende wurde es still.
— Was redest du da? — Seine Stimme wurde härter. — Ich habe gesagt, du sollst die Karten freigeben.
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