— Oder was? Kommst du extra von Bali zurückgeflogen und machst mir eine Szene?

Diesmal dauerte die Pause noch länger.

— Woher… wer hat dir… — Markus stockte, als hätte ihm jemand die Luft abgeschnitten.

— Das spielt keine Rolle. Wichtig ist nur, dass ich Bescheid weiß. Geschäftsreise also. Verhandlungen. Dann bezahl dein romantisches Abendessen für zwei doch selbst, Liebling. Du bist ja schließlich mit deinen „Kollegen“ dort.

— Julia, warte, ich kann das erklären…

— Nein. Ich will es nicht hören. Einen schönen Urlaub noch, Markus. Aber ab jetzt ohne mein Geld.

Sie legte auf und schaltete den Ton des Handys aus. Ihre Hände bebten inzwischen, ihr Herz schlug so heftig, als wolle es gegen ihre Rippen hämmern. Trotzdem breitete sich in ihr etwas Merkwürdiges aus. Es war nicht einmal reiner Schmerz. Eher eine eisige, klare Wut.

Fünf Minuten später kamen die ersten Nachrichten. Zuerst über den Messenger.

„Julia, du weißt doch, dass das nichts Ernstes ist.“

„Ich kann es wirklich erklären.“

„Es war ein Fehler, eine Dummheit, ein schwacher Moment.“

„Mach jetzt bitte kein Drama, wir sind erwachsene Menschen.“

„JULIA, ENTSPERR DIE KARTEN.“

Julia las jede einzelne Nachricht und löschte sie wortlos. Eine nach der anderen. Dann holte sie ihren Laptop, klappte ihn auf und loggte sich in ihr gemeinsames Online-Banking ein. Markus hatte keine Ahnung, dass sie sämtliche Passwörter kannte. In Geldangelegenheiten war sie schon immer sorgfältiger gewesen als er.

Sie überwies das gesamte Guthaben vom gemeinsamen Konto auf ihr eigenes. Natürlich gehörte nicht jeder Euro allein ihr — Markus verdiente mehr als sie. Doch sie arbeitete ebenfalls, zahlte mit, organisierte, plante und trug die Familie auf ihre Weise mindestens genauso. Jetzt sollte er sehen, wie er allein zurechtkam.

Das Handy vibrierte erneut. Ein Videoanruf.

Julia nahm an. Auf dem Bildschirm erschien Markus’ gerötetes Gesicht. Er stand offensichtlich irgendwo draußen; im Hintergrund ragten Palmen in den Himmel.

— Was soll der Mist, warum sind die Karten gesperrt? — brüllte er, ohne Begrüßung.

— Hallo, Liebling. Ich sehe schon, du bist in Berlin. Diese Palmen wirken ausgesprochen hauptstädtisch.

— Julia, hör auf damit! Ich meine es ernst! Hast du überhaupt eine Vorstellung, in was für eine Lage du mich bringst?

— In was für eine Lage? Vielleicht in eine ähnliche wie die, in die du mich und unsere Tochter gebracht hast? Als du gelogen hast, du müsstest geschäftlich weg, und stattdessen mit deiner Geliebten ans andere Ende der Welt geflogen bist?

— Schrei nicht so! Lena hört dich noch!

— Du solltest lieber nicht schreien. Ich bin zu Hause bei unserer Tochter und helfe ihr bei den Hausaufgaben. Du bist auf Bali mit einer Blondine. Also erspar mir deine Belehrungen.

Markus fuhr sich mit der Hand über das Gesicht. Man sah ihm an, dass er sich zusammenreißen wollte.

— Gut. Gut, Julia. Ich habe Mist gebaut, ich weiß das. Wir reden darüber, wenn ich zurück bin. Aber jetzt, genau jetzt, brauche ich Geld. Verstehst du? Ich habe hier…

— Du hast dort deine kleine Freundin. Dann soll sie dir helfen. Oder vielleicht hat sie ja einen reichen Vater. Frag doch den.