Geschichte
„Am Samstag fährst du um neun zum Ferienhaus“, sagte Maria Friedrich und schob mir ein vollgekritzeltes Blatt über den Tisch

„Am Samstag fährst du um neun zum Ferienhaus“, sagte Maria Friedrich und schob mir ein vollgekritzeltes Blatt über den Tisch

Diese aufdringliche Familie ist ungerecht und erdrückend.

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„Also, Johanna Krause, hör gut zu: Am Samstag fährst du um neun zum Ferienhaus. Der Dachboden muss ausgeräumt werden, die Böden gehören nach dem Winter gründlich geschrubbt, und über die Gewächshäuser muss neue Folie. Ich habe dir alles notiert“, sagte Maria Friedrich und schob mir ein vollgekritzeltes Blatt über den Tisch, mit einer Feierlichkeit, als überreiche sie mir gerade ein rechtskräftiges Urteil.

„Stefan kommt nämlich über die Feiertage im Mai mit Freunden zum Grillen. Die können sich doch nicht in den Dreck setzen. Und das Häuschen lasse ich übrigens auf ihn überschreiben. Er ist der Ältere, er braucht es mehr.“

Der Zettel kroch über die Tischdecke wie ein kleiner, unverschämter Bulldozer, der ohne jede Erlaubnis in mein Gebiet eindrang.

Ich sah erst auf die Liste, dann zu meiner Schwiegermutter.

Neben mir saß mein Mann Markus Roth, und sein Gesicht nahm langsam eine gefährlich rote Farbe an.

„Mama, nimm die Liste wieder weg. Johanna ist nicht deine Angestellte, der du einfach eine Schicht einteilen kannst“, sagte Markus leise, aber mit einem Ton, der keinen Widerspruch duldete.

Maria Friedrich behandelte meine freie Zeit wie ein herrenloses Stück Land: Wenn kein hoher Zaun mit Stacheldraht darumstand, durfte man dort ihrer Meinung nach bedenkenlos Kartoffeln pflanzen.

In zwanzig Ehejahren hatte ich mir eine ziemlich zuverlässige Überlebensregel für diese Familie zurechtgelegt: Ich half Maria Friedrich genau bis zu dem Moment, in dem aus einer Bitte ein Befehl zur Fronarbeit wurde.

Angefangen hatte das nicht erst gestern. Es war eine langsame, gut geplante Eroberung meines Nackens gewesen.

Schon im März hatte ich ihr drei Tüten schwer zu beschaffender Medikamente gebracht, nachdem ich mich eine Stunde früher von der Arbeit losgeeist hatte. Ich stellte die Tüten auf den Tisch und atmete erst einmal durch.

Nebenbei gesagt: Die Quittungen für solche Medikamente, ebenso wie Belege für Lieferdienste oder Handwerker, legte ich immer in einen festen Umschlag. Nicht, um mich vor meiner Schwiegermutter zu rechtfertigen, sondern schlicht, um unsere Familienausgaben im Blick zu behalten.

Maria Friedrich warf nicht einmal einen Blick in die Tüten. Stattdessen zeigte sie sofort mit dem Finger zur Decke.

„Johanna, solange du den Mantel noch anhast, steig doch schnell auf den Hocker und nimm die Kristallteile vom Kronleuchter ab. Die müssen gewaschen werden, man kann da ja kaum noch hinsehen. Das ist höchstens eine halbe Stunde Arbeit.“

Ihr Kronleuchter hing unter der Zimmerdecke wie ein riesiger gläserner Igel, gespickt mit hundert funkelnden Anhängern. Eine falsche Bewegung, und man landete vom Hocker direkt in der Notaufnahme.

„Heute ist bei uns der Tag für die Apothekenlieferung, Maria Friedrich“, antwortete ich ruhig und knöpfte meinen Mantel wieder zu. „Der Tag des Kristalligels ist in meinem Tarif nicht enthalten. Rufen Sie Stefan an oder legen Sie einen anderen Termin fest, dann bestelle ich Ihnen eine Reinigungskraft.“

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