Eine Woche später wusste Lukas Weber davon. Daniel Hoffmann erzählte es selbst beim Abendessen bei seinem Vater.
– Laborassistentin? – fragte mein Schwiegervater nach. Dabei drehte er den schweren goldenen Siegelring mit Monogramm an seinem kleinen Finger. – Na und? Ob man zu Hause herumsitzt oder dort, macht doch keinen Unterschied.
Ich sagte nichts. Daniel Hoffmann rieb sich den Nacken.
Von diesem Abend an hatte Lukas Weber ein neues Lieblingsthema.
Zum ersten Mal sagte er es mir direkt bei einem gewöhnlichen Familienessen, etwa ein halbes Jahr nachdem ich angefangen hatte zu arbeiten. Es war im März 2016. Wir waren bei ihm zu Hause. Er wohnte allein in einer großen Dreizimmerwohnung in der Lindenstraße: viel Platz, Kristallgläser in der Schrankwand, Teppiche an den Wänden. Daniel Hoffmann reparierte im Schlafzimmer seine Gardinenstange, während ich in der Küche den Tisch vorbereitete.
Mein Schwiegervater blieb im Türrahmen stehen und sah mir dabei zu, wie ich Salat schnitt.
– Weißt du, Katharina Berger, – begann er, – du schneidest gerade meinen Salat mit meinem Messer auf meinem Brett. Und bei euch zu Hause benutzt du ein Brett, das ich bezahlt habe, in einer Wohnung, die ich geschenkt habe.
Ich legte das Messer zur Seite.
– Lukas Weber, das Schneidebrett habe ich selbst gekauft. Im Baumarkt. Für vier Euro.
Er verzog den Mund zu einem Lächeln.
– Das Brett vielleicht. Und die Wohnung?
– Die Wohnung haben Sie Daniel Hoffmann geschenkt. Danke dafür.
– Na also. – Er breitete die Arme aus. – Immerhin ein Danke.
In diesem Moment kam Daniel Hoffmann mit einem Schraubenzieher in der Hand herein.
– Vater, lass gut sein.
– Was denn? – Lukas Weber hob unschuldig die Handflächen. – Ich sage nur die Wahrheit.
Dann ging er zurück zum Fernseher. Sein Ring stieß leise gegen den Türrahmen; er blieb fast immer daran hängen, wenn er vorbeiging.
Ich schnitt den Salat fertig, setzte mich an den Tisch und brachte dieses Abendessen hinter mich.
Im Auto sagte Daniel Hoffmann: „Reg dich nicht auf. Mein Vater ist eben so. Er meint es nicht böse.“ Ich nickte, weil Leon Fischer auf dem Rücksitz schlief und ich vor dem Kind keinen Streit anfangen wollte. Und außerdem: Er hatte uns ja tatsächlich die Wohnung gegeben. Vielleicht durfte er sich deshalb so einen Scherz erlauben?
Damals glaubte ich das noch.
Mia Schneider wurde 2018 geboren. Ich ging wieder in Elternzeit. Nach anderthalb Jahren, 2019, kehrte ich an meinen Arbeitsplatz zurück. Inzwischen war mein Gehalt gestiegen: Die Molkerei hatte erweitert, und ich war in die Qualitätskontrolle versetzt worden. Erst bekam ich 430 Euro, dann 470. Bis 2026 waren es 550.
2019 nahm ich die Renovierung der Wohnung in die Hand. Nach sieben Jahren sah alles müde und abgenutzt aus. Die Rohre tropften, im Kinderzimmer lösten sich die Tapeten, und im Bad war eine Fliese mitten durchgesprungen, nachdem Leon Fischer mit dem Ball dagegen geschossen hatte.
Daniel Hoffmann meinte: „Frag doch meinen Vater. Vielleicht schickt er dir seine Leute vorbei, er hat doch die Firma.“