Ich stellte mir sofort vor, wie Lukas Weber mir danach zehn Jahre lang vorhalten würde, er habe mir auch noch die Renovierung gemacht. Also sagte ich: Nein. Ich kümmere mich selbst darum.

Über eine Anzeige fand ich ein Handwerkerteam. Drei Wochen lang fuhr ich nach der Arbeit abends hin, um zu kontrollieren, was sie geschafft hatten. Baustoffe bestellte ich im Internet, verglich Preise, wartete auf Rabatte und Sonderangebote.

Am Ende kostete alles zusammen 7.800 Euro. Bezahlt von meiner Karte. Überweisungen, Quittungen, Lieferscheine – ich bewahrte jedes einzelne Dokument auf. Nicht, weil ich schon damals etwas beweisen wollte. Ich war es einfach gewohnt. In meinem Beruf arbeitet man nicht ohne Nachweise.

Als die Renovierung abgeschlossen war, kam Lukas Weber vorbei, um sich alles anzusehen.

Er lief durch die Wohnung, strich mit den Fingern über die Wände, machte die Badezimmertür auf und wieder zu.

– Schief gearbeitet. Ich hätte das anders gemacht.

Kein Wort dazu, dass ich alles organisiert hatte. Keine Frage, was es gekostet hatte. Nur dieses eine Urteil: schief.

Ich schwieg. Dabei hätte ich etwas sagen müssen. Aber Daniel Hoffmann stand neben mir und rieb sich den Nacken, und deshalb sagte ich nichts.

Der eigentliche Bruch kam 2021. Vor fünf Jahren.

Es war Mia Schneiders Geburtstag. Sie wurde drei. Ich hatte zu Hause eine kleine Feier vorbereitet: Luftballons, Kuchen, drei Mädchen aus der Kita. Eingeladen waren auch Lukas Weber und Julia Neumann, seine Tochter, meine Schwägerin.

Julia Neumann ist zwei Jahre jünger als Daniel Hoffmann, heute vierzig. Sie arbeitet in der Firma ihres Vaters, in der Buchhaltung. Unverheiratet. Ihre Wohnung liegt nur zwei Häuser von seiner entfernt. Was Lukas Weber sagt, gilt für sie wie ein Gesetz.

Sie kamen gemeinsam. Lukas Weber brachte Mia Schneider einen riesigen Plüschhasen mit, fast einen halben Meter groß. Von Julia Neumann gab es ein Malbuch. Dann setzten sich alle an den Tisch.

Wir stießen auf das Geburtstagskind an. Danach wandte sich Lukas Weber an Daniel Hoffmann – vor Julia Neumann, vor mir, vor den dreijährigen Kindern, die allerdings schon ins Kinderzimmer gelaufen waren.

– Daniel Hoffmann, du schuftest allein für alle. Deine Frau trinkt bei der Arbeit Tee, und du stehst von früh bis spät auf Baustellen.

Ich stellte meinen Teller ab.

– Lukas Weber, ich arbeite seit elf Jahren. Vollzeit. Jeden Werktag.

Er sah mich durch seine Brille an.

– Und? Laborantin, ist das etwa richtige Arbeit? Reagenzgläser ausspülen?

Julia Neumann schnaubte leise. Daniel Hoffmann starrte auf seinen Teller.

– Ich spüle keine Reagenzgläser. Ich prüfe die Qualität der Produktion. Protokolle, Analysen, Dokumentation. Acht Stunden täglich.

– Acht Stunden, – wiederholte mein Schwiegervater. – Daniel Hoffmann steht zwölf Stunden draußen. Im Dreck. Bei Kälte.

– Dafür bekommt Daniel Hoffmann ein Gehalt, – sagte ich. – Genau wie ich.

Lukas Weber klopfte zweimal mit seinem Ring auf die Tischplatte. Kurz, hart.

– Gehalt. Von mir. Ich bezahle ihn. Und dich? Wer bezahlt dich? Das Werk? Ein paar Euro wirft es dir hin, und wohnen tust du in meiner Wohnung.