– In Daniel Hoffmanns Wohnung, – verbesserte ich ihn. – Sie haben sie ihm geschenkt. Vor vierzehn Jahren.
– Eben. Geschenkt. Ich. Und du hast alles fertig bekommen.
Ich wollte von der Renovierung sprechen. Von den 7.800 Euro. Davon, dass ich die Fliesen ausgesucht hatte, dass ich die Handwerker gesucht und bezahlt hatte, dass ich nach jeder Schicht kontrollieren ging und danach noch zwei Kinder fütterte und ins Bett brachte.
Doch Daniel Hoffmann hob den Kopf und sagte leise: „Es reicht. Ihr beide.“
Als wären wir beide schuld. Als hätte auch ich etwas Falsches gesagt.
Lukas Weber trank seinen Tee aus und ging zwanzig Minuten später. Im Flur umarmte er Daniel Hoffmann, klopfte ihm auf die Schulter. Mich sah er nicht einmal an.
Julia Neumann blieb einen Moment zurück. Ich hörte, wie sie ihrem Vater im Treppenhaus zuflüsterte: „Siehst du? Sie wird auch noch frech zu dir.“
Ich stand im Korridor und hielt den Plüschhasen in den Händen, den Mia Schneider schon unter die Garderobe geworfen hatte.
An diesem Abend sagte ich zu Daniel Hoffmann: „Sprich mit deinem Vater. So geht das nicht.“
Daniel Hoffmann lag auf dem Sofa und scrollte auf seinem Handy.
– Katharina Berger, ich rede mit ihm. Aber du weißt doch, wie es ist. Er hat uns die Wohnung gegeben. Er hat mir die Arbeit gegeben. Was soll ich ihm denn sagen?
– Dass ich keine Schmarotzerin bin.
– So meint er das nicht. Er redet einfach. Hör nicht hin.
Ich hörte nicht hin.
Fünf Jahre lang hörte ich nicht hin. An jedem Feiertag dieselbe Platte. Silvester: „Daniel Hoffmann ist der Ernährer.“ Frauentag: „Katharina Berger, wann lernst du endlich kochen?“ Leon Fischers Geburtstag: „Ein Junge muss sehen, wie ein Mann arbeitet, nicht wie seine Mutter im Werk auf Reagenzgläser starrt.“ Drei-, viermal im Jahr. Mindestens.
Und ich schwieg, weil Daniel Hoffmann mich darum bat. Weil die Kinder ihren Großvater liebten: Er brachte Geschenke, fuhr sie im Auto herum, nannte Leon Fischer „Kämpfer“ und Mia Schneider „Häschen“. Und weil die Wohnung Daniel Hoffmann gehörte. Schenkung. Bei einer Scheidung würde ich mit leeren Händen gehen. Das wusste ich. Und genau das hielt mich zurück.
Nach solchen Abendessen kam ich nach Hause und setzte mich für zwanzig Minuten ins Bad. Einfach so. Auf den Wannenrand. Ich sah auf die Fliesen, die ich selbst ausgesucht hatte, und rechnete im Kopf. Elf Jahre. Fünfhundertvierzig Monatsschichten. Tausende Protokolle. 7.800 Euro für die Renovierung. Jeden Monat 180 Euro für Kurse, Sport, Leon Fischers Judoanzug, Mia Schneiders Malunterricht. Alles von meinem Gehalt.
Und trotzdem hieß es: „Sie lebt auf unsere Kosten.“
Lukas Webers Jubiläum war für April 2026 geplant. Fünfundsechzig Jahre. Er wollte zu Hause feiern. Mit fünfundfünfzig Gästen.
– Wir stellen die Tische direkt in der Wohnung auf, – erklärte er Daniel Hoffmann. – Julia Neumann hilft. Und Katharina Berger soll kochen.
Daniel Hoffmann richtete es mir aus. Ich stellte es mir vor: fünfundfünfzig Menschen, eine Dreizimmerwohnung, Essen für alle. Drei Tage in der Küche. Schüsseln voller Salate, Töpfe mit warmen Gerichten, Berge von Geschirr, danach das Aufräumen.